Aus welchen Gründen lügst du?

Diese Frage stand vor einigen Tag in meinem ‚Fragen und Antworten‘ Buch. Meine Antwort auf diese Frage war recht schnell geschrieben:

„Ich versuche lügen grundsätzlich zu vermeiden, versuche immer ehrlich zu sein, aber ab und zu flunkert wohl mal jeder. Meist lüge ich bei meinem eigenen Wohlbefinden. Die Antwort auf die Frage „Wie gehts?“ ist oft nicht die Wahrheit.“

Vor einigen Tagen habe ich das recht schnell niedergeschrieben und mir eigentlich nicht viel dabei gedacht. Erst heute habe ich mich daran gemacht über das ‚WARUM‘ nachzudenken. Warum kann (oder darf?) ich die Frage ‚Wie gehts?‘ nicht wahrheitgemäß beantworten.
Ich würde auf jeden Fall dürfen – keiner könnte mir verbieten wahrheitsgemäß zu sagen, wie es mir gerade geht, was ich gerade denke und was ich am liebsten gerade machen würde.
Und eigentlich sollte ich es auch können, aber genau daran scheitere ich. Ich möchte manchmal so gerne sagen ‚Mir gehts beschissen‘ wenn mich jemand fragt. Aber bevor ich antworten kann gehen mir zig Gedanken durch den Kopf:

Interessiert es den Fragenden wirklich wie es mir geht, oder ist die Frage nach dem ‚Wie gehts‘ nicht schon längst zu einer Höflichkeitsfloskel geworden, die man scheinbar einfach aussprechen muss.
Schockiere ich den Fragenden, wenn ich mit ‚Mir gehts nicht so gut heute‘ antworte? Fühlt sich der Andere dann dazu verpflichtet nachzufragen, was los ist. Möchte ich überhaupt erzählen was los ist, oder sollte ich dich doch lieber lügen und sagen ‚Es ist eh alles ok‘?
Angenommen ist sage, dass es mir nicht gut geht und es wird nachgefragt warum. Was sage ich dann? Wenn ich dann weiter die Wahrheit sage, was für eine Reaktion bekomme ich dann? Wieder die Fragen, ob es denn Fragenden denn auch wirklich interessiert was los ist, oder auch dieses Nachfragen wieder nur aus Höflichkeit passiert.

Ich habe Angst davor, Angst vor der Reaktion, wenn ich die Wahrheit sage. Angst vor den schockierten Blicken, das erschrockene ‚Oh‘. Ich habe Angst vor den nervösen Blicken zur Seite oder auf die Uhr, wenn man dann etwas erzählt. Ich habe Angst davor zu merken, dass es dem Gegenüber eigentlich doch nicht wirklich interessiert was man zu erzählen hat. Angst davor, dass mir der Blick oder das Verhalten des Fragenden mitteilt, dass nur noch bereut wird überhaupt gefragt zu haben.

Ja ich habe Angst und daher musste ich heute mal wieder lügen auf die Frage ‚Wie gehts?‘

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