Hörbuch? Nein danke!

Ich liebe lesen, aber darüber habe ich mich in einen früheren Beitrag schon umfassend geäußert, daher spar ich mir heute die näheren Ausführungen dazu.

Stattdessen möchte ich von meiner ersten (und ziemlich sicher letzten) Erfahrung mit einem Hörbuch erzählen.
Einmal ein Buch nicht selber lesen sondern es vorgelesen bekommen. Für Kinder ist das das wundervollste auf der Welt und meine Tochter (inzwischen 9 und selbst Leseratte) genießt es immer noch, wenn ich ihr etwas vorlese. Schon seit längerem spiele ich somit mit dem Gedanken mir ein Hörbuch anzuschaffen, aber bisher habe ich doch bei jedem Kauf immer wieder zu einem Buch gegriffen, dass ich dann doch selber lesen muss. (hab ich im Unterbewusstsein wohl schon gewusst, dass das nichts für mich ist).

Ok wie kam es dazu, dass ich nun doch mitten in einem Hörbuch bin. Es gibt da diesen einen Roman, der von einer großen Gemeinschaft gemeinsam auf Facebook geschrieben wird. „Zwirbler“ Ich bin schon lange Fan der Facebookseite und nehme mir schon lange vor endlich mal die Geschichte zu lesen und eventuell sogar ein Teil davon zu werden. Um mitmachen zu können muss man die Geschichte natürlich erstmal kennen. Aber irgendwie bin ich einfach nie dazu gekommen, die ganzen Beiträge zu lesen und als ich vor einigen Tagen wieder mal damit starten wollte fand ich es schon mühsam, aufgrund der inzwischen unzähligen Einträge auf Facebook, überhaupt den ersten Eintrag, also den Start des ganzen, zu finden. Ich wollte aber nicht wieder aufgeben, daher musste eine Alternative her und die für mich beste Alternative war der dazugehörige Podcast. Ich lasse mir jetzt also den Facebookroman „Zwirbler“ vorlesen und ich komm nur sehr langsam weiter.

Als ich gestartet habe bin ich an meinem Schreibtisch gesessen, hab meine Kopfhörer am iPad angestöpselt und losgelegt. Schon nach drei Sätzen war ich nicht mehr voll und ganz dabei und nein das lag nicht an der Geschichte selbst, sondern daran, dass ich einfach zu viele Ablenkungen um mich herum gesehen habe. Ich erblicke ein altes Post-it hinter dem Bildschirm, muss es natürlich betrachten und über die gemachte Notiz schmunzeln (Satz 4 verpasst). Ich bemühe mich wieder mich zu konzentrieren, ich möchte ja die Geschichte verstehen. Ich horche also wieder hin, blicke extra an die weiße Wand vor mir, um mich nicht mehr ablenken zu lassen. Ich entdecke einen Fleck und frage mich, wie der da hin gekommen ist. (Satz 7 schon wieder verpasst). Ich fange an mich bereits über mich selbst zu ärgern, konzentriere mich erneut auf die Geschichte. Jetzt ist aber Schluss mit den Ablenkungen, sag ich noch zu mir selber (und verpasse dabei auch Satz 8 gleich noch). Nur einen Moment später spüre ich meinen Kater, um meine Füße streichen. Ich beuge mich hinunter, um ihn zu streicheln. Er freut sich und ich bin schon wieder abgelenkt. Daraufhin habe ich erstmal frustriert aufgegeben. Ich brauche da definitiv einen neuen Plan.

Versuch 2 fand dann nachts um halb zwei im stockdunklen Schlafzimmer und im Bett liegend statt. So konnte mich zumindest nichts ablenken, was ich sehe und auch unsere Kater hatte da keine Chance. Ich war also hoch motiviert und überzeugt davon, dass da so jetzt klappen muss. Und im Vergleich zu Versuch 1 lief es auch wesentlich besser. Aber ich merkte auch hierbei recht schnell, dass ich mich doch immer wieder ablenken lassen. Ich lausche der Geschichte, ich höre ein bestimmtes Wort, eine Phrase, einen Satz oder auch eine Szene und eigene Erinnerungen kommen hoch oder eigene Gedanken keimen auf. Ich denke darüber nach, was ich gehört habe, finde mich darin wieder, sehe Ähnlichkeiten oder auch totale Widersprüche in meinem eigenen Leben. Aber fürs nachdenken ist bei einem Hörbuch keine Zeit, die Sätze werden einer nach dem anderen gesprochen, der Sprecher wartet nicht, bis ich mit Denken fertig bin. Ich könnte natürlich immer wieder stoppen, meinen Gedanken fertig denken und dann wieder fortsetzen. Aber das wird auf Dauer auch irgendwann mühsam.

Das gute am Zwirbler Hörbuch ist, dass das ganze Werk in kleine Podcast Häppchen zerstückelt ist, die zwischen 3 und 10 Minuten lang sind und ich versuche mich nun wirklich immer für zumindest ein Häppchen konzentrieren zu können und dann erst fortzusetzen, wenn ich wieder bereit bin. Gelingt es mir nicht, dann wird der verpasste Podcast einfach nachgeholt. So klappt es jetzt ganz gut aber es ist doch auch mühsam. Ich werde mich so jetzt durch den Zwirbler Roman kämpfen, bis ich zum aktuellen Stand aufgeschlossen habe, danach werde ich lesend auf Facebook weiter an der Geschichte dran bleiben.

Mein Fazit aus diesem Hörbuch Experiment ist ganz klar. Es war das erste und bestimmt das letzte Mal. Ich lese die Bücher lieber selbst, da kann ich das Tempo selbst bestimmen und brauche meine Gedanken nicht einsperren.

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