Spuren hinterlassen

Vor einigen Tagen war ich wieder mal zu Besuch bei meinem Optiker, weil meine Brille unbedingt erneut eine Generalüberholung nötig hatte. Es kennen mich dort alle schon, weil ich etwa alle 4-6 Wochen zu Besuch bin, weil mir meine Brillenfassung echt ständig Probleme macht. Aber egal, ich weiche vom Thema ab.

Ich lasse mir also meine Brille richten, plaudere noch nett mit der Dame, die es für mich erledigt hat und verabschiede mich. Auf meinem Weg nach draußen höre ich ein „Hallo“. Ich drehe mich zur Seite und sage auch, ganz automatisch, „Hallo“. Ich sehe die Person an und brauche noch einen Augenblick bis das was ich sehe auch im Gehirn angelangt ist und mir plötzlich dann doch bewusst wird, wer denn da vor mir steht. Die Person streckt mir inzwischen schon die Hand entgegen, die ich natürlich gerne schüttle und dabei auch rasch noch meine saloppe Hallo-Begrüßung von vor 2 Sekunden schnell noch mit einem *Grüß Gott* richtig stelle, denn vor mir steht eine Lehrerin aus meiner Zeit in der HAK.

Wir plaudern ein wenig. Sie fragt mich was ich denn beruflich mache und wir kommen recht schnell in ein anregendes Gespräch, das letztlich damit endet, dass ich ihr versprochen habe eine Mail mit näheren Informationen zu schreiben. Dann verabschieden wir uns und ich verlasse den Optiker.

Draußen auf der Straße fühle ich mich gut, lächle und freue mich über das kurze Wiedersehen und das nette Gespräch. Am Weg zum Auto denke ich weiter drüber nach und erst da wird mir bewusst, dass es bereits 14!!! Jahre sind seit ich meine Matura gemacht habe. Ich bin mir sicher, dass ich die Lehrerin seither kein einziges Mal gesehen habe und finde es plötzlich sehr bemerkenswert, dass sie mich sofort wieder erkannt hat (sie sogar schneller mich als ich sie 😉 ) Hunderte von Schülern waren nach mir bei ihr in der Klasse und nochmal hunderte vor meiner Zeit. Kann man sich die wirklich alle merken? Erkennt man wirklich alle, auch Jahre später noch, wieder? Oder erkennt man nur jene, die irgendwie einen besonderen Eindruck (positiv oder auch negativ) hinterlassen haben?

Ich gehörte in der Schule nicht zu den Besten, ich musste mir meine Noten immer hart erarbeiten. Mit meinen Leistungen kann ich also nicht unbedingt einen besonderen Eindruck hinterlassen haben. Ich war in der Schule schon immer recht ruhig, traue mich zu behaupten, dass ich mich jeglichen Blödsinnigkeiten fern gehalten habe. Ich denke und hoffe, dass ich somit auch nicht einen besonders negativen Eindruck hinterlassen habe. Ich weiß, dass ich es nicht herausfinden werde, warum die Erinnerung an mich noch so gut erhalten war und trotzdem hat es in meinem Denken etwas ausgelöst.

Ich fühle mich oft und in vielen Situationen unsichtbar. Ich bin ein sehr zurückhaltender Mensch, introvertiert, schüchtern, nervös, unsicher. Ich war mein ganzes Leben schon so und auch in meiner Schulzeit. Dieses Wiedersehen nach 14 Jahren hat mich darüber nachdenken lassen, dass ich vielleicht doch nicht so unsichtbar bin (oder war) wie ich mich manchmal fühle. Ich scheine doch wahrgenommen zu werden und scheine doch in den Köpfen anderer (zumindest in manchen) Spuren zu hinterlassen.

fussspuren_klein

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