Zehn-Wort-Geschichte

Ich stehe gedankenverloren in meiner Küche. In meinem Wok am Herd schiebe ich, ohne wirklich darauf zu achten, das Gemüse hin und her. Mein Blick ist auf die gegenüberliegende Wand im Esszimmer gerichtet und ich denke mir, ich sollte nun endlich wirklich die abgefallene Tapetenabschlusskante ersetzen. Ich lege den Kochlöffel zur Seite und greife nach meiner Kaffeetasse. „Boah kalt“ schüttelt es mich und ich schütte daraufhin den Kaffee in die Spüle und wasche die Tasse aus.

Ich summe leise zur Musik aus dem Radio. Die Ramones mochte ich immer schon gerne. Plötzlich klingelt das Telefon. Ohne zu wissen warum schrecke ich kurz hoch und lege dann das Geschirrtuch zur Seite, womit ich eigentlich meine Lieblingstasse trocknen wollte. Ich greife nach dem Telefon und melde mich mit einem kurzen „Hallo!“.

Ich höre dem Anrufer zu und kann mir einen Seufzer nicht verbergen. „Ich kann in 10 Minuten dort sein“, sage ich meinem Anrufer. Wie sehr ich Bereitschaft doch hasse, denke ich mir während ich das Telefonat beende.

Ich eile daraufhin in die Küche und schaue verzweifelt in mein halb fertiges Wok-Gemüse während ich den Herd abstelle. Auf dem Weg zur Türe stolpere ich beinahe über den vollen Wäschekorb und frage mich, wann ich denn endlich mal wieder Zeit zum Bügeln haben würde. Ich greife nach meinem Schlüsselbund mit dem riesen Eichhörnchen als Anhänger, welches mir meine Kollegen zu Weihnachten geschenkt haben, damit ich in Zukunft meinen Schlüssel einfacher finden kann.

Ich öffne den Kasten an der Wand, greife nach einer kleinen mit Zebrafell überzogenen Box, öffne sie und nehme meine Waffe heraus. Danach verlasse ich die Wohnung und mache mich mit meinem Wagen auf dem Weg, um meinen Partner am Supermarkt zu treffen. Jener Supermarkt wo ich erst wenige Stunden zuvor noch mein Gemüse für mein Abendessen gekauft hatte.

„Stiller Alarm am Supermarkt, wir treffen und dort“ war alles was mein Partner am Telefon gesagt hat. Als ich mich nun dem Supermarkt nähere sehe ich ihn schon etwas abseits stehen. Ich parke meinen Wagen, steige aus und wir nicken uns einfach nur zu und machen uns auf den Weg zum Eingang des Supermarktes. Nach jahrelanger Zusammenarbeit verstehen wir uns blind. Die Supermarkttür ist unverschlossen. Wer immer sich darin nun aufhält hat durch das Aufbrechen der Tür den stillen Alarm ausgelöst.

Wir ziehen beide unsere Waffe und treten ein. Langsam streifen wir durch den Supermarkt, blicken in jeden der langen Gänge. Wir passieren das Schokoladenregal, was mich wieder daran denken lässt, dass ich noch kein Abendessen hatte. Im nächsten Gang steht ein herrenloser Einkaufswagen, darin nur ein Paar Gummistiefel. Da hat es sich wohl jemand anders überlegt, denke ich mir.

Plötzlich hören wir ein lautes Geräusch. Mein Partner und ich blicken uns kurz an und dann geht es im Laufschritt in Richtung des Geräusches. Wir hören jemanden leise fluchen. Wir nicken uns kurz zu und treten dann mit ausgestreckten Waffen in den nächsten Gang.

„Stehen bleiben, Polizei!“ ruft mein Partner laut. Im Gang steht ein Mann mit einem voll beladenen Einkaufswagen. Eine der vielen Alkoholflaschen liegt zerschmettert am Boden. Es dauerte keine 2 Minuten bis der Mann in Handschellen am Rücksitz eines Polizeiautos von weiteren Kollegen sitzt, die ebenfalls zur Hilfe gerufen wurden.

Ich denke erneut an mein Abendessen und seufze leise, weil ich weiß, dass es noch etwas dauern wird, bis ich endlich dazu kommen werde.

Westendstories lädt ein zur Zehnwortgeschichte. Ich habe mich daran auch mal versucht 😉
Danke stefanini für deine Geschichte und dass ich dadurch diese Aktion auch finden konnte 🙂

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