10 Wörter für eine Geschichte

Nachdem ich nun ein Weilchen pausiert habe, mache ich nun wieder mit bei den Zehnwortgeschichten. Runde 7 ist es inzwischen schon.

Mein Text ist dieses mal kurz und ist keine Fortsetzung meiner bisherigen Geschichten und irgendwie hab ich das Gefühl ein wenig geschummelt zu haben 😉 Aber da ich im Moment wenig Zeit habe und aber gerne mal wieder was schreiben wollte, musste ich ein wenig improvisieren – aber genau darum geht es hierbei ja.

Nun meine Geschichte, die vorgegebenen 10 Wörter, wie immer fett gedruckt:

 

Jäten, drucken, fühlen und trinken. Was haben diese Wörter gemeinsam?“

„Das sind doch alles Verben, eh ganz klar!“ sagt Annette, die sich immer besonders schlau vorkommt. Vielleicht ist sie es sogar, ich gehe ihr am liebsten aus dem Weg. Diese ständige Selbstdarstellung und Selbstverliebtheit geht mit echt gewaltig auf die Nerven.

„Ja das ist natürlich richtig Annette. Erkennt ihr sonst noch einen Zusammenhang!“

Natürlich richtig, denke ich. Ich mag unsere Trainerin ja grundsätzlich aber dieses natürlich hätte sie sich jetzt echt sparen können. Natürlich wusste die Annette mal wieder alles besser als die Anderen. Ich blicke rüber zu ihr und sie hat ein zufriedenes Lächeln auf dem Gesicht. Für mich bestätigt sich nur einmal mehr, dass ich sie nicht mag.

„Man tut bei allen Vieren etwas!“

Ohne hochblicken zu müssen, weiß ich, dass war unsere Susi. Ich nenne sie gerne Blondchen und das obwohl sie gar nicht blond ist, aber ich glaube sie hat die Gene von einer Blondine geerbt. Strohdumm die Dame.

Oskar der einzige andere Mann in der Gruppe blickt zu mir rüber und verdreht die Augen. Die Männerquote in dem Kurs hätte echt eine Aufbesserung nötig. Aber wenigsten einer ist da und er ist auch ganz ok. Seine Vampir Geschichte von vor zwei Wochen war sehr genial. Den Damen ist reihenweise schlecht dabei geworden. Ich grinse zu ihm rüber bei dem Gedanken.

Unsere Trainerin fragt inzwischen erneut verzweifelt nach, ob uns denn so gar nichts einfallen würde, was den diese Wörter, total irrsinnige Wörter, ergänze ich in meinen Gedanken, gemeinsam hätten.

„Diese Wörter haben genauso viel gemeinsam wie Fahrrad, Katzenfutter und Spendenblut. Nämlich gar nichts!“ sprudelt es plötzlich laut aus mir raus. Gleich unmittelbar danach während ich alle Blicke auf mir spüre, fällt mir Schillers Zitat ‚Der Wahn ist kurz, die Reue lang‘ ein und finde es passender denn je.

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Ich wollte heute eigentlich ausgehen …

… und das sogar freiwillig und ich hatte mich schon sehr darauf gefreut.

Ich gehe ja eher selten aus. Bin immer viel lieber daheim, mag es nicht so besonders gerne unter vielen Leuten zu sein. Pflichtveranstaltungen, wie Hochzeiten oder sonstige Feierlichkeiten besuche ich, aber wirklich wohl fühle ich mich dort meist nie. Aber ja heute wollte ich wirklich freiwiilig ausgehen.

Bei uns findet heute ein Benefizkonzert statt von einem Gospelchor. 100 Sängerinnen und Sänger, die bei uns in der Kirche heute Abend auftreten. Wie schon gesagt, ich hatte mich schon sehr darauf gefreut, aber wie es mir mit meinen Rückenschmerzen auch heute immer noch geht kann ich es mir unmöglich vorstellen, dass ich mich da heute in die doch eher ungemütlich und auch kalten Kirchenbänke setze.

Also bleib ich mal wieder daheim. Meine Tochter findet es auch nicht so toll, sie hat sich schon gefreut bei der Oma zu schlafen. Sie wird das daher vermutlich trotzdem machen. Naja und ich bleib halt alleine. Grundsätzlich ja nichts schlechtes, aber ich hoffe dass sich zumindest die Schmerzen in Grenzen halten, damit ich meinen Abend alleine zumindest auch genießen kann.

„Jammer-Posting“ – Aua, es schmerzt

Ich muss hier mal ein wenig jammern. Seit Mittwoch Abend habe ich Rückenschmerzen, die sich über Nacht von Mittwoch auf Donnerstag zu höllischen Schmerzen ausgedehnt haben. Gestern in der Früh hatte ich echt Probleme aus dem Bett zu kommen und ohne Schmerztablette hätte ich unmöglich in die Arbeit fahren können, dort habe ich letzlich über den Tag verteilt noch zwei weitere gebraucht, um den Tag zu überstehen.

Die letzte Nacht war der Horror. Um 4:30 aufgewacht und ich wusste nicht mehr wie ich mich bewegen soll. Ich konnte kaum noch atmen so stark waren die Schmerzen, also wieder eine Tablette eingenommen, damit ich 3 Stunden später zumindest meine Tochter in die Schule bringen konnte.

Danach bin ich gleich zum Arz, der diagnostiziert mir eine Verspannung und verschreibt mir anderes (anscheinend stärkeres, länger anhaltendes Schmerzmittel) und eine Verspannungs-lösendes Medikament, welches ich jedoch erst zum zu Bett gehen einnehmen darf. Ich also zu Mittag dann das neue Schmerzmittel getestet, es hat 2 Stunden gedauert bis es überhaupt gewirkt hat und dann nicht annähernd so gut wie mein ursprüngliches. Ich hab mich also durch den Nachmittag gekämpft und bin nun wieder auf mein eigenes Schmerzmittel umgestiegen und jetzt sitz ich hier und versuch mich mit Schreiben abzulenken, bis endlich diese Tablette wirkt.

Kann eine Verspannung wirklich derartige Schmerzen verursachen? Das beschäftigt mich im Moment. Und ich bewundere meine Mama, die bei ihrem letzten Bandscheibenvorfall wochenlang Schmerzen hatte bevor endlich was getan wurde und ich hab ihr heute schon gesagt, dass ich sie echt bewundere, dass sie dies wochenlang ertragen hat. Ich bin nach 2 Tagen schon völlig fertig.

So das musste jetzt einfach mal raus. 😉

Erinnerungen hinter Nebelschwaden!

Die letzten Tage, seit meinem letzten Eintrag hier, habe ich ein wenig Zeit und Abstand gebraucht.

Genau an Michaels Geburtstag hatte ich nachmittags einen unglaublich befreienden und Trauer unterstützenden Chat. Es hat sich bei mir jemand entschuldigt dass bisher unsere Trauer so übersehen wurde bzw es gar nicht bewusst wurde, dass wir so intensiv getrauert haben. Dieses Gespräch hat mir unglaublich viel bedeutet. Sollte die Person dies hier lesen, dann möchte ich mich wirklich von Herzen dafür bedanken. Es schmerzt unglaublich wenn das eigene Kind von Anderen einfach vergessen wird, umso größer ist die Freude wenn man eine Anteilnahme merkt.

Ich möchte heute über die Zeit nach Michaels Tod schreiben. Die Woche vor der schrecklichen Nachricht und der Geburt ist mir unglaublich detailliert in Erinnerung. Ich weiß in vielen Momenten noch die genaue Uhrzeit und kann den Ablauf erzählen als wäre es gestern gewesen.
Für die Zeit danach gilt das nicht. Vom Zeitpunkt an als ich nach der Geburt nach wenigen Stunden Schlaf wieder aufgewacht bin, ist alles im Nebel verschwunden. Ich kann nicht mal genau sagen wann ich das Krankenhaus wieder verlassen habe.

Ich weiß dass wir danach die Beerdigung geplant haben. Gespräch mit dem Bestatter, Aussuchen eines Sarges, Organisation der Abholung aus dem Krankenhaus durch den Bestatter, Telefonat mit der Gärtnerei, Gespräch mit dem Pfarrer, Organisation des Totengräbers und wahrscheinlich noch ein paar Dinge an die ich mich jetzt gar nicht mehr erinnern kann. Ich weiß noch dass wirklich alle sehr freundlich waren. Der Pfarrer hat uns eine tolle Kerze mit Michaels Namen versprochen. Die Gestaltung der Beerdigung habe ich ihm überlassen, ich wollte nur einen kurzen Brief an Michael, den ich wenige Stunden nach der Geburt geschrieben habe, vorlesen (bzw wurde er dann von meiner Schwiegermutter gelesen, ich konnte es nicht) ansonsten hatte ich Vertrauen, dass er es sehr schön machen wird, und das war es dann auch.
Die Beerdigung wurde in einem ganz kleinen Rahmen gefeiert. Ich denke nun schon seit Tagen darüber nach wann genau, aber ich kann mich einfach nicht erinnern. Auch so eine Erinnerung, die tief im Nebel verschwunden ist. Mein Mann hat selbst den Sarg zum Grab getragen. Anfangs meinte er noch er könne dies nicht, danach meinte er, er hätte sich zu diesem Zeitpunkt unserem Michael so unglaublich nah gefühlt. Wir haben sein Grab mit weißen Rosen ausgelegt und der Sarg wurde darauf gebettet und dann auch noch mit weißen rosen zugedeckt. Auch den Brief hab ich ihm mit ins Grab gelegt.

Nach der Beerdigung war alles plötzlich eine Spur realer aber eigentlich kann ich mich an die Monate danach kaum erinnern. Wir haben uns einen kleinen Kater ins Haus geholt, das war ein kleiner Trost für unsere Tochter, die das ganze natürlich überhaupt nicht verstanden hat. Außerdem habe ich im Zeitraum Oktober bis Dezember meine Bachelorarbeit geschrieben. Ich weiß nicht wie ich das geschafft habe, aber ich denke es war eine Flucht aus der Realität, pure Ablenkung mit Arbeit. Im Dezember dann der nächste Todesfall in der Familie, der dann irgendwie alles nochmal mehr überschattet hat.

Neben dem Grab am Friedhof wollten wir auch zuhause ein Plätzchen zum Gedenken schaffen, vor allem auch, weil es da ja noch 2 weitere Sternenkinder (zwei Fehlgeburten im ersten drittel der Schwangerschaft) gab, die keinen offiziellen Platz erhalten konnten. Somit haben wir im Fruhjahr 2010 im Garten eine Trauerweide gepflanz und dort einen Gedenkplatz für alle drei geschaffen! Auch unser Kater, den wir nach der Geburt von Michael geholt haben und den wir letztes Jahr (2013) leider wegen einer Krankheit einschläfern mussten, ist dort begraben. Und auch im Wohnzimmer haben wir uns eine. Platz zum Gedenken hergerichtet. Beides gibt uns immer wieder Kraft.

Schon wieder lange geworden. Der Beitrag war eigentlich noch ein Stückchen länger aber jetzt beim erneuten Lesen habe ich gemerkt dass meine letzten Änderungen offenbar nicht gespeichert wurden.

Trotzdem abschließend ein großes Danke an alle, die meine Geschichte gelesen haben!

Sei doch bitte nicht traurig!

Sei doch bitte nicht traurig, Mama!
Ich hab doch heute Geburtstag!
Siehst du dort den schönen Tisch?
Dort werd ich feiern mit unserer Familie,
meinen Geschwistern und all meinen Freunden.
Wir werden Kuchen essen.
Wir werden Lieder singen.
Wir werden über Wolken springen.
Wir werden den Rogenbogen runterrutschen.
Doch weißt du, was am Schönsten ist?
Wir werden tanzen zur unendlichen Musik
aus der Liebe deines Herzens!
Ich liebe dich, Mama!
Freue mich aufs Wiedersehen!
Aber inzwischen
Sei doch bitte nicht traurig!

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Für immer geliebt, nie vergessen!

Schon gestern Abend bin ich hier gesessen und habe überlegt, ob und was ich hier schreiben soll. Das Hier und Jetzt ist immer noch wenig präsent im Moment für mich, ich bin gedanklich immer noch in der Vergangenheit, genau gesagt 5 Jahre in der Vergangenheit. Doch bald werde ich meinen Weg in das Jetzt zurückfinden können. Es wird kein Vergessen sein aber der Schmerz wird wieder etwas nachlassen und erträglicher werden.

Heute habe ich beschlossen ich möchte meine Geschichte hier erzählen. Nicht für Andere sondern für mich, obwohl ich mich natürlich freue, wenn meine Geschichte gelesen wird, weil ich sie vor allem Schreibe, damit mein Sohn auch für Andere unvergessen bleibt oder zumindest auch existiert hat.

Vor ein paar Tagen habe ich von meiner Tochter und ihrem epileptischen Anfall erzählt. Wir haben damals 2 Nächte im Krankenhaus verbracht, weil die Ärzte sie aufgrund des veränderten Anfallsverlaufes näher beobachten wollten. Am 16.9.09 sind wir dann also wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden und wir waren froh endlich wieder zuhause zu sein und vor allem mit recht positiven Worten der Ärzte und meiner Tochter ging es wieder gut, sie war der gleiche Wirbelwind wie immer. An diesem Tag abends als unsere Tochter im Bett war, habe ich das erste mal nun bewusst nachgedacht darüber, ob ich eigentlich unser Baby heute schon gespürt hätte und ich konnte mich nicht erinnern aber ich beruhigte mich selbst mit dem Wissen, dass ich morgen sowieso eine Kontrolle beim Arzt habe.

17.9.09
Ein ganz normaler Tag. Ich brachte morgens unsere Tochter zu meiner Mutter, aufgrund des Krankenhausaufenthaltes wollte ich sie noch ein wenig schonen und hab sie deshalb nicht in den Kindergarten gebracht. Bevor ich zur Arbeit gefahren bin, hat mir unsere Maus noch gesagt, wie sehr sich sich schon auf das Baby-Fernsehen am Nachmittag freut. Ich hatte ihr versprochen, dass sie heute zur Untersuchung mitkommen darf und ihr Geschwisterchen sind endlich auch mal ansehen darf.
Es war ein ganz normaler Tag in der Arbeit, aufgrund meines Termines beim Arzt bin ich früher wieder heimgefahren. Ich war fröhlich und habe mich so darauf gefreut unseren Bauchzwerg endlich wieder zu sehen, die letzte Untersuchung lag schon Wochen zurück. Es war ziemlich genau 16:30 als ich endlich dran war. Meine Mutter und unserer Tochter waren mit dabei beim Termin, mein Mann hatte leider keine Zeit. Als ich aufgerufen wurde ging ich zuerst mal alleine, meine Tochter sollte später mit meiner Mutter dann nachkommen. Zuerst die Standarddinge, Gewicht, Blutdruck, Urinprobe, Blutabnahme – alle Daten rein in den Mutter-Kind-Pass und dann war es endlich so weit, ab zum Ultraschall.
Ich lag auf dem Stuhl und freut mich darauf unsere Baby zu sehen. Ich starrte auf den Bildschirm und da war es. Ich lächelte als ich es sah, doch im gleichen Moment wusste ich instinktiv, da stimmt was nicht. Weiter Ultraschall kein Wort hat mein Frauenarzt gesprochen. Das war nicht seine Art und ich starrte immer noch auf den Bildschirm und plötzlich wurde es mir schlagartig bewusst was hier nicht stimmte. Es fehlte etwas! Es fehlte dieses konstante kleine blinken am Bildschirm. Mein Frauenarzt schwieg immer noch, ich drehte meinen Kopf zur Seite und schloss meine Augen, ich konnte nicht länger hinsehen. Und dann endlich sprach mein Arzt. Ich habe ihn angesehen direkt angesehen als er mir sagte „Es tut mir so leid, aber das Herz ihres Babys schlägt nicht mehr“. Was ich in diesem Moment gefühlt habe kann ich unmöglich in Worte fassen, nicht heute und wahrscheinlich auch zu keinem anderne Zeitpunkt. Ich weiß jedoch noch genau, was ich geantwortet habe. „Nein nicht nochmal“ waren meine ersten Worte. Wir hatten schon zwei Kinder in einem früheren Stadium der Schwangerschaft verloren und ich wollte, ich konnte dies nicht nochmal durchstehen.
Danach wollte ich nur noch runter von diesem Stuhl. Der Arzt hat meine Mutter dazugeholt und ich bin in ihren Armen zuerst einmal mitten im Arztzimmer zusammengebrochen. Meine Tochter wartete draußen bei der Ordinationshilfe. Nach einigen Minuten habe ich auf Funktionieren umgeschaltet. Die Tränen versiegten und ich holte unsere Tochter dazu, die ich dann erstmal ganz fest gedrückt habe. Sie hat überhaupt nicht verstanden was vor sich geht, wie auch, sie war zu dem Zeitpunkt 4 1/2 Jahre alt aber instinktiv hat sie wohl gespürt, dass etwas passiert ist. Sie hat nicht nach dem Baby gefragt als wir sie geholt haben, sondern sich einfach auf meinem Schoß gesetzt und sich ganz fest an mich gekuschelt. Der Arzt erklärte uns dann noch wie es jetzt weitergehen sollte, obwohl ich alles gehört habe, was er gesagt hat, wirklich registriert habe ich das wenigste.
Als wir wieder zuhause waren, wartete noch die schwierigste Aufgabe auf mich. ich musste meinem Mann sagen, dass unser Baby tot ist. Die Tatsache, dass ich es selbst aussprechen musste als ich ihm die Nachricht überbrachte, machte es plötzlich so real. Unser Baby war gestorben ohne dass es diese Welt je sehen durfte, ohne dass wir es je kennenlernen durften.

18.9.09
Am nächsten Morgen sind wir nach einer schlaflosen Nacht ins Krankenhaus gefahren. Mein Wunschkrankenhaus, wo meine Tochter schon auf die Welt kam und für sie damals schon so gut gesorgt wurde (aber das ist eine Geschichte für einen anderen Tag). Ich wurde auf der Ambulanz nochmal untersucht, jedoch nur um die gleiche Diagnose nochmal zu bekommen und nochmal erklärt zu bekomme, wie das ganze nun ablaufen würde. Danach wurde ich stationär aufgenommen und musste mit der Bestätigung zur Anmeldung. Die Dame an der Anmeldung nimmt meinen Zettel von der Ambulanz entgegen und sagt „Sie kommen also zur Geburt!“ Ich kann nicht sprechen, nicke nur. Sie tippt alles rein in ihren Computer und reicht mir die Mappe mit allen Unterlagen und erklärt mir wo wir nun hin müssten. Ich schaue Sie entgeistert an als sie uns auf die Geburtenstation schickt und frage verzweifelt „Die Geburtenstation?“ sie sieht mich daraufhin an und meint „Sie kommen ja zur Geburt“. Ich kann daraufhin nichts mehr sagen. Ich wurde panisch, habe fürchterlich geweint und ich war sprachlos. Mein Mann hat die Initiative ergriffen und schreit die Dame an der Anmeldung an „Unser Baby ist tot und sie wollen uns auf die Geburtenstation legen zu all den Müttern und Babys“ Die Dame hat daraufhin telefoniert und bekam ich wurde dann auf die Gynäkologie eingewiesen. Die Dame hat sich nicht entschuldigt oder auch nur ein nettes Wort gesagt. Ich denke das war unsere erste Begegnung mit einem Menschen, der nicht wusste wie er mit der Situation, die einem gegenüber steht, umgehen sollte. Als wir auf der Station ankamen wurden wir dort sehr herzlich empfangen und vor allem haben sich dort alle für den anfänglichen Fehler mit der Geburtenstation entschuldigt. Ich bekam dann ein Zimmer für mich alleine und mein Mann durfte ebenfalls bleiben. Dann wurde begonnen die Geburt einzuleiten und das Warten begann ebenfalls. Man sagte uns es könne Tage dauern.
Zum Glück dauerte es keine Tage, ich denke das hätte ich nicht durchgestanden. Um etwa 17 Uhr genau einen Tag nachdem uns der Frauenarzt gesagt hat, dass unser Baby tot ist, setzten die Wehen bei mir ein. Um etwa 22 Uhr ging es in den Kreißsaal. Zu diesem Zeitpunkt war ich die einzige Geburt für diese Nacht und die Hebamme war unglaublich. Ein totes Kind auf die Welt zu bringen ist auch für sie nichts alltägliches aber sie war für uns da, unglaublich fürsorglich. Sie war eine große Hilfe. Ich hatte große Schmerzen, die leider auch durch verschiedenste Schmerzmittel nicht wirklich gelindert werden konnten und dann passierte auch noch das wovor ich am meisten Angst hatte, eine zweite Mutter wurde um ca. 23 Uhr in den Kreißsaal gebracht, um ihr Baby auf die Welt zu bringen. Es war ca. 1:30 als das Baby der anderen Mutter zur Welt kam. Ich konnte das Baby im Nebenzimmer weinen hören. Ich hatte wahnsinnige Schmerzen und wusste ich würde diesen entscheidenden Moment des ersten Schreis nie erleben dürfen. Ich weiß noch ich habe gefleht, dass das endlich aufhört. Ich war am Ende mit meinen Kräften, ich wollte das alles einfach nur vorbei ist. Ich wollte aufwachen aus diesem fürchterlichen Alptraum.
Die Hebamme gab mir dann nochmal Kraft. Und um 2:18 Uhr am 19.09.2009 (was für ein schönes Datum) wurde unser Sohn geboren. Unmittelbar nach der Geburt war ich erstmal nur stolz, stolz unseren Sohn geboren zu haben. Die Hebamme hatte uns im Vorfeld schon gefragt, ob wir das Baby nach der Geburt sehen möchten. Für mich war das von Anfang an klar, ich wusste ich musste es sehen und es halten. Mein Mann hat anfangs gesagt, dass er es nicht kann. Ich habe es ihm frei gestellt und gesagt er muss die Entscheidung alleine treffen. Als unser Sohn dann aber da war, konnte auch er nicht anders, er musste ihn einfach ansehen. Sie Hebamme hat ihn uns dann gebracht, warm eingepackt und ihn auf meine Brust gelegt. Er war wunderschön, einfach perfekt und wie wir später dann erfahren haben, war er auch kerngesund. Die Nabelschnur hatte sich verknotet (wie wenn man einen Gartenschlauch knickt) und der kleine Mann wurde daher nicht mehr versorgt. Ich habe mir bis heute verboten näher darüber nachzudenken was das für ihn im Bauch bedeutet hat und werde auch heute nicht damit anfangen darüber nachzudenken, zu viele schlimme Gedanken kommen hierbei gleich hoch.
Wir durften unseren Sohn halten so lange wir wollten und haben ihn dann schweren Herzens wieder an die Hebamme übergeben, die uns versprach, dass wir ihn am Morgen nochmal sehen dürfen, wenn wir möchten. Es war fast 5 Uhr morgens als ich zurück auf mein Zimmer gebracht wurde. Die Frage, ob ich etwas Unterstützendes zum Schlafen brauchen würde, verneinte ich. Ich war so unglaublich erschöpft zu diesem Zeitpunkt dass ich recht schnell dann auch wirklich eingeschlafen bin.
Das Aufwachen etwa 3 Stunden später war die Hölle. Da ist in einem Moment wieder alles auf mich hereingebrochen und ich hatte einen totalen Zusammenbruch. Ich weiß noch, dass eine Therapeutin bei mir war, die mit mir gesprochen hat, aber zu diesem Zeitpunkt wollte ich nur, dass sie wieder geht. Heute weiß ich, dass das damals viel zu früh war, viel viel später hätte ich eventuell Hilfe gebraucht, nach diesem absolut unnützen Erlebnis im Krankenhaus habe ich es jedoch nie wieder mit einem Therapeuten versucht (bis heute nicht). Aber ich hatte damals im Krankenhaus ein unglaubliches Gespräch mit einer Seelsorgerin und ich weiß bis heute nicht wie sie es gemacht hat und ich kann mich auch nicht mehr wirklich erinnern worüber wir genau gesprochen habe, aber sie holte mich aus meinem totalen Zusammenbruch wieder raus.
Ich habe einen Tag später mit gebrochenem Herzen und ohne unseren Sohn das Krankenhaus wieder verlassen. 5 Tage später wurde er in einer kleinen Feier am Familiengrab beerdigt. Ein großer Dank geht hier an den Pfarrer unserer kleinen Gemeinde, der sich sofort bereit erklärt hat die Beerdigung durchzuführen und dies sogar kostenlos übernommen hat. Heute weiß ich aus Gesprächen mit anderen Betroffenen, dass das nicht immer so problemlos läuft.

Unser Sohn bekam von uns den wundervollen Namen „Michael Paul“.
Michael vom Erzengel Michael, dessen Name „Wer ist wie Gott“ bedeutet. Er ist der mächtigste der Erzengel, also ein ganz Großer! Paul bedeutet „der Kleine“.
Die Kombination war für uns perfekt, denn unser Sohn ist für uns einfach der größte und mächtigste obwohl er noch so klein war!

Es vergeht kein Tag an dem ich nicht an ihn denke. Der Schmerz wird ewig bleiben, er wird ewig eine Lücke im Herzen hinterlassen.

Happy Birthday, Michael Paul!
Wir lieben dich über alles!
Wir werden dich nie vergessen!
Du wirst immer ein Teil von uns sein!

Sollte jemand wirklich bis hierhin gelesen habe, möchte ich mich herzlich dafür bedanken. Es war für mich wohl der bisher schwierigste Text den ich je geschrieben habe. Ich habe nun mehrere Stunden daran gesessen und habe vor allem unzählige Tränen dabei geweint. Ich habe den Text nicht nochmal gelesen, dazu bin ich jetzt nicht stark genug (vielleicht werd ich das sogar nun länger nicht können) sollte es daher Fehler, unvollständige oder unzusammenhängende Sätze geben, bitte ich dies zu entschuldigen.