Zehn Wörter – nächste Runde

Wie im letzten Versuch angekündigt, habe ich mich mit den neuen Wörtern an der Fortsetzung der Geschichte versucht, was gar nicht einfach war, obwohl ich spontan eigentlich gedacht habe, dass die Wörter so schlimm gar nicht sind. Beim Schreiben selbst hab ich mir dann doch recht schwer getan. Im Blog gibt es im Übrigen für die Zehnwortgeschichten nun eine eigene Kategorie, damit diese leichter gefunden werden. Und den Link zur Einladung möchte ich natürlich auch wieder mit dazu hängen.

Letztlich hab ich dann doch was „fabriziert“ aber ob ich es auch mag, da bin ich etwas unsicher. Aber da es inzwischen weit nach Mitternacht ist und mein Kopf nicht mehr richtig funktioniert werde ich morgen nochmal lesen und dann erst für mich entscheiden. Wie ihr Leser die Geschichte findet würde ich natürlich gerne in einem Kommentar erfahren 😉

Nun aber zu meiner Geschichte: (die vorgegebenen Wörter sind fett gedruckt)

Ich stehe im Hotelzimmer und starre auf das Bett. Über eine Stunde bin ich nun schon hier, die Leiche der Frau wurde inzwischen weggebracht. Michael und ich haben zusammen mit der Spurensicherung verzweifelt versucht irgendetwas Brauchbares zu finden, jedoch blieb der Erfolg leider aus.

Ich starre also auf das blutverschmierte Bett als Michael plötzlich neben mir auftaucht und mir seine Hand auf die Schulter legt.

„Bist du ok? Du hattest dir deinen Abend heute wohl auch anders vorgestellt.“

Er betrachtet mich von oben nach unten und erst jetzt wird mir bewusst, dass ich natürlich immer noch mein Kleid trage, immerhin bin ich direkt von meinem, eigentlich freien, Abend hier her gekommen. Unter normalen Umstände würde Michael mich deshalb necken, mich wahrscheinlich Fragen mit welchem Typen aus dem Ostblock ich mich in irgendeinem ominösen Biergarten getroffen hätte. Das wäre normalerweise seine Art gewesen, aber nicht heute, nicht unter diesen Umständen.

Er blickt mich immer noch an. Ich sehe ehrliche Besorgnis in seinen Augen. Ich zaubere ein Lächeln auf mein Gesicht und nicke.

„Ich hatte einen besseren Abend bis zu deinem Anruf. Und ja ich bin in Ordnung, ich möchte nur endlich diesen Kerl erwischen. 3 Frauen haben unsere Stadt für eine Nacht besucht und wurden alle drei vergewaltigt und getötet. Und wir haben nichts.“

Er nickt. Ich weiß er ist genauso wütend wie ich. Er sagt nichts Weiteres sondern hält mir eine Geldbörse hin. Ich nehme ihm die Geldbörse aus der Hand und öffne sie. Das erste worauf mein Blick fällt ist ein Foto. Das Opfer ist zusammen mit einem Mann neben einer Buddha Statue zu sehen. Ich seufze und schließe kurz meine Augen.

„Möchtest du, dass ich es dieses Mal übernehme?“ höre ich Michael von der Seite sagen. So gerne ich ja sagen würde, weiß ich gleichzeitig auch, dass ich es selber machen muss. Seit ich vor drei Jahren einen Anruf von einem Dorfpolizisten bekam, der mir mehr als herzlos am Telefon mitteilte, dass er gerade meinen Vater am Acker hinter dem Haus tot aufgefunden hätte, hatte ich es mir zum Auftrag gemacht, dass ich schlechte Nachrichten, vor allem am Telefon, nur noch selbst und vor allem in einer mir maximal möglichen schonenden Art und Weise, überbringen würde. Ich schüttle also den Kopf und Michael reicht mir dann noch einen kleinen Zettel mit einer Telefonnummer. Ich nehme die Geldbörse und den Zettel und verlasse das Hotelzimmer. Ich brauche definitiv einen ruhigeren Ort, um dieses Telefonat zu führen.

20 Minuten später erhebe ich mich von der Kunstledercouch im Büro des Hotelmanagers in welches ich mich für das Telefonat zurückziehen durfte und mache mich wieder auf den Weg zu Michael. Im Fahrstuhl treffe ich auf einen etwas älteren Mann, der sich am Handy lautstark über die Vetternwirtschaft in der heutigen Zeit beklagt, sich dabei ständig seine Finger leckt und versucht seine abstehenden Haare wieder in Form zu bringen und dabei wild mit seinem Schirm, den er ebenfalls in der Hand hält, herumhantierte. Ich bin froh im fünften Stock aus den Fahrstuhl steigen zu können. Michael erwartet mich bereits am Gang mit einem besorgten und fragenden Blick.

„Sehr schlimm?“

Ich atme kurz tief ein bevor ich anfange von dem Telefonat zu berichten.

„Der Mann auf dem Bild ist nicht ihr Ehemann, wie ich zuerst vermutet hatte, sondern ihr Bruder. Er ist die einzige Familie, die sie hatte. Die Eltern sind bereits verstorben und sie ist nicht verheiratet und soweit der Bruder weiß hatte sie auch keinen Freund, wobei dies scheinbar oft mal ein wenig, ich zitiere, diffus war bei ihr. Sie war wohl recht schnell im Freundschaften schließen. Er wird sich so schnell als möglich auf den Weg machen und sich wieder melden, sobald er in der Stadt ist, um ein Treffen zu vereinbaren. Er wirkte am Telefon als hätte er unmittelbar nach der schlimmen Nachricht auf ‚Funktionieren‘ umgestellt ohne wirklich zu realisieren.“

Michael nickte, er kennt diesen Zustand bei Hinterbliebenen. Kein momentaner Schockzustand, plötzlich rationelles Denken, klare Antworten auf alle Fragen. Dieser Zustand war jedoch nie von Dauer, früher oder später kam bei allen der Moment des Realisierens.

Unser nächster Schritt war es die Hotelzimmernachbarn zu befragen. Leider brachte uns dies überhaupt nicht weiter. Einige Zimmer standen leer, in einigen war niemand Anwesend und wenn jemand da war, dann wussten diese natürlich gar nichts. Wir haben alle Personalien und Daten aufgenommen und werden diese mit den ersten Fällen vergleichen, um eventuell irgendetwas zu entdecken, obwohl uns eigentlich klar ist, dass der Mörder nicht so dumm sein würde, im gleichen Hotel wie die Opfer einzuchecken.

Es war schon weit nach Mitternacht als Michael und ich endlich das Hotel verlassen und uns auf den Heimweg machen, um ein paar Stunden Schlaf zu bekommen. Zuhause angekommen werfe ich meine Jacke über das alte, nicht mehr verwendete, Ofenrohr im Wohnzimmer und mache mich auf den Weg in die Dusche.

Es war fast drei Uhr morgens als ich endlich im Bett war. Wie gerne würde ich jetzt Christian noch anrufen und mich für den verpatzten Abend erneut entschuldigen. Ich verwarf jedoch den Gedanken gleich wieder und nahm mir vor, das Telefonat auf den Morgen zu verschieben. Mit den schönen Erinnerungen an ein echt tolles Date schlafe ich letztlich ein.

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2 Gedanken zu “Zehn Wörter – nächste Runde

  1. Freu, die ist echt toll… genau wie die vergangene. Danke!. Ich mag deine Schreibe, und hätte gern weiter gelesen. Schade eigentlich. Vielleicht solltest du 20 Wörter bekommen, dann ist sie noooch länger als eh schon^^.
    Liebe Grüße Mia

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