Erinnerungen hinter Nebelschwaden!

Die letzten Tage, seit meinem letzten Eintrag hier, habe ich ein wenig Zeit und Abstand gebraucht.

Genau an Michaels Geburtstag hatte ich nachmittags einen unglaublich befreienden und Trauer unterstützenden Chat. Es hat sich bei mir jemand entschuldigt dass bisher unsere Trauer so übersehen wurde bzw es gar nicht bewusst wurde, dass wir so intensiv getrauert haben. Dieses Gespräch hat mir unglaublich viel bedeutet. Sollte die Person dies hier lesen, dann möchte ich mich wirklich von Herzen dafür bedanken. Es schmerzt unglaublich wenn das eigene Kind von Anderen einfach vergessen wird, umso größer ist die Freude wenn man eine Anteilnahme merkt.

Ich möchte heute über die Zeit nach Michaels Tod schreiben. Die Woche vor der schrecklichen Nachricht und der Geburt ist mir unglaublich detailliert in Erinnerung. Ich weiß in vielen Momenten noch die genaue Uhrzeit und kann den Ablauf erzählen als wäre es gestern gewesen.
Für die Zeit danach gilt das nicht. Vom Zeitpunkt an als ich nach der Geburt nach wenigen Stunden Schlaf wieder aufgewacht bin, ist alles im Nebel verschwunden. Ich kann nicht mal genau sagen wann ich das Krankenhaus wieder verlassen habe.

Ich weiß dass wir danach die Beerdigung geplant haben. Gespräch mit dem Bestatter, Aussuchen eines Sarges, Organisation der Abholung aus dem Krankenhaus durch den Bestatter, Telefonat mit der Gärtnerei, Gespräch mit dem Pfarrer, Organisation des Totengräbers und wahrscheinlich noch ein paar Dinge an die ich mich jetzt gar nicht mehr erinnern kann. Ich weiß noch dass wirklich alle sehr freundlich waren. Der Pfarrer hat uns eine tolle Kerze mit Michaels Namen versprochen. Die Gestaltung der Beerdigung habe ich ihm überlassen, ich wollte nur einen kurzen Brief an Michael, den ich wenige Stunden nach der Geburt geschrieben habe, vorlesen (bzw wurde er dann von meiner Schwiegermutter gelesen, ich konnte es nicht) ansonsten hatte ich Vertrauen, dass er es sehr schön machen wird, und das war es dann auch.
Die Beerdigung wurde in einem ganz kleinen Rahmen gefeiert. Ich denke nun schon seit Tagen darüber nach wann genau, aber ich kann mich einfach nicht erinnern. Auch so eine Erinnerung, die tief im Nebel verschwunden ist. Mein Mann hat selbst den Sarg zum Grab getragen. Anfangs meinte er noch er könne dies nicht, danach meinte er, er hätte sich zu diesem Zeitpunkt unserem Michael so unglaublich nah gefühlt. Wir haben sein Grab mit weißen Rosen ausgelegt und der Sarg wurde darauf gebettet und dann auch noch mit weißen rosen zugedeckt. Auch den Brief hab ich ihm mit ins Grab gelegt.

Nach der Beerdigung war alles plötzlich eine Spur realer aber eigentlich kann ich mich an die Monate danach kaum erinnern. Wir haben uns einen kleinen Kater ins Haus geholt, das war ein kleiner Trost für unsere Tochter, die das ganze natürlich überhaupt nicht verstanden hat. Außerdem habe ich im Zeitraum Oktober bis Dezember meine Bachelorarbeit geschrieben. Ich weiß nicht wie ich das geschafft habe, aber ich denke es war eine Flucht aus der Realität, pure Ablenkung mit Arbeit. Im Dezember dann der nächste Todesfall in der Familie, der dann irgendwie alles nochmal mehr überschattet hat.

Neben dem Grab am Friedhof wollten wir auch zuhause ein Plätzchen zum Gedenken schaffen, vor allem auch, weil es da ja noch 2 weitere Sternenkinder (zwei Fehlgeburten im ersten drittel der Schwangerschaft) gab, die keinen offiziellen Platz erhalten konnten. Somit haben wir im Fruhjahr 2010 im Garten eine Trauerweide gepflanz und dort einen Gedenkplatz für alle drei geschaffen! Auch unser Kater, den wir nach der Geburt von Michael geholt haben und den wir letztes Jahr (2013) leider wegen einer Krankheit einschläfern mussten, ist dort begraben. Und auch im Wohnzimmer haben wir uns eine. Platz zum Gedenken hergerichtet. Beides gibt uns immer wieder Kraft.

Schon wieder lange geworden. Der Beitrag war eigentlich noch ein Stückchen länger aber jetzt beim erneuten Lesen habe ich gemerkt dass meine letzten Änderungen offenbar nicht gespeichert wurden.

Trotzdem abschließend ein großes Danke an alle, die meine Geschichte gelesen haben!

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4 Gedanken zu “Erinnerungen hinter Nebelschwaden!

  1. Ich finde es sehr schön, dass ihr eine Trauerweide gepflanzt habt, und dass ihr auch den Kater dort begraben habt. Ihr bleibt eine Familie. Wir haben meinem Dad auch einen Platz zum Gedenken im Wohnzimmer hergerichtet. Ich wünsche Dir für die Zukunft alles Gute.

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