Auf Besuch in Wien

Zwei Tage hintereinander habe ich nun Wien aufgrund eines Workshops besucht und ich habe in diesen zwei Tagen wieder ganz intensiv gemerkt, wie unglaublich gerne ich am Land lebe und wie kraftraubend alleine die beiden Besuchstage für mich waren (und das obwohl ich die meiste Zeit davon in meinen Workshops verbracht habe)

Ich bin mit dem Zug angereist. Das hat bedeutet, dass ich dann mit der U-Bahn weiter musste, um dorthin zu gelangen, wo ich hin wollte. Viel zu viele Leute war so das erste was mir im Kopf herum gegeistert ist. Wenn man am Bahnhof aus dem Zug steigt braucht man eigentlich nicht zu wissen, wo man als nächstes hin muss. Man kann sich einfach von der Masse weiterschieben lassen, dann kommt man letztlich schon an. Wenn man sich dann in Richtung U-Bahn bewegt funktioniert das wieder. Wenn man dann womöglich (so wie ich) noch ein Ticket braucht und somit bei den Automaten mal schnell rechts ausscheren muss, muss man sich echt schon fast bemühen dies bei der sich fortbewegenden Masse an Menschen zu schaffen. Am Automat angekommen gleich das nächste Problem. Man sollte jetzt ja sofort und unmittelbar wissen, was man denn nun braucht, den einfach nur so schauen und ein wenig ausloten was den das richtige sein könnte, geht gar nicht, weil inzwischen hinter dir am Automaten die Schlange immer länger wird. Nachdem man 3 Sekunden nicht auf den Bildschirm gedrückt hat, weil man erst noch lesen muss, was denn da überhaupt steht, hört man von hinten schon die ersten Seufzer, sollte es noch 3 Sekunden länger dauern und man hat immer noch nicht gedrückt, kommt schon der erste einen Schritt nach vor und drückt wie wild am Bildschirm rum, um dir dann zu erklären, „dass das so jetzt ganz bestimmt richtig ist.“ Im Nachsatz kommt dann noch ein „Für mich!“ danach wirft er das bereits in den Händen bereit gehaltene Kleingeld ein, schnappt sich das Ticket, dreht sich um und verschwindet in der nach vorne hastenden Menschenmenge. Ich bleibe am Automaten zurück und versuche es erneut. (und ja ich hatte mich zuhause im Internet erkundigt welches Ticket ich brauche und ich habe auch wirklich nicht lange gebraucht, aber wenn man diese Automaten noch nie bedient hat, weiß man einfach nicht so ganz automatisch wohin man drücken muss).

Danach ab in die U-Bahn, wieder der Gedanke, dass hier einfach viel zu viele Menschen sind (ich bin nicht gerne unter so vielen Menschen). Irgendwann denkt man sich dann die U-Bahn ist nun endgültig voll, da passt keiner mehr rein, nur um dann bei der nächsten Station zu lernen, dass doch noch Menschen Platz haben. Die Temperatur in der U-Bahn steigt exponentiell mit jedem der einsteigt, ebenso die Gerüche, die um einen herumschwirren. Irgendwann hat man das Gefühl eigentlich nicht mehr wirklich atmen zu können und will nur noch raus. Meine Ausstiegsstelle schien eine beliebte zu sein, denn ich konnte gleich das Schauen und Nachdenken wieder vergessen und die Menschenmasse schob mich „nett und freundlich“ einfach in eine Richtung (ob die richtige konnte ich nur erahnen) und irgendwann habe ich doch tatsächlich wieder das Tageslicht erreicht, nur um mir dann gleich wieder, zu viele Menschen, zu denken.

Der Stephansplatz war mein Ziel und dort sah man zwei Typen von Menschen (zumindest mir kam es so vor). Erstens die Touristen, die dort stehen und staunend mit ihren Fotoapparaten alles um sich herum fotografieren. Und zweitens die einheimischen Wiener, die das natürlich alles sowieso kennen und die schnellen Schrittes durch die Straßen hetzen. Da ich nicht wirklich wusste, wo ich nun weiter musste. (Fußmarsch wusste ich aber nicht genau in welche Richtung) hab ich mein Handy gezückt, um mir auf der Karte anzusehen welche Richtung ich nun einschlagen muss. Während ich da so stand (und nein nicht mitten auf der Straße, sondern schon schön in einer Ecke, wo ich eigentlich dachte nicht zu stören) wurde ich 3 mal von ‚Einheimischen‘ fast umgerannt und 2 mal von Touristen gebeten ein wenig auf die Seite zu treten damit sie doch bitte ein Foto machen könnten. Irgendwann bin ich dann einfach losgegangen und habe mir eine etwas ruhigere Seitenstraße gesucht. Endlich an meinem Ziel angekommen, war ich dann froh, dass ich 30 Minuten zu früh war und somit außer mir noch keiner da war und ich somit ein wenig Ruhe genießen konnte.

5 Stunden später dann der Rückweg. Beim Fußmarsch zur U-Bahn habe ich mich dem Tempo der herum eilenden Menschen angeschlossen (ich wusste jetzt ja schon wo es langgeht). Den Weg zum Automaten in der U-Bahn konnte ich mir auch sparen, musste also dieses Mal nicht aus der Masse ausscheren. Die U-Bahn war wieder ordentlich voll (viel zu voll für mein empfinden) und am Bahnhof sind dann alle wieder weitergehastet. Ich hatte eigentlich Zeit, ich wusste mein Zug würde erst in 20 Minuten los fahren, aber irgendwie fühlte ich mich wie ein Außerirdischer als ich langsam durch die Bahnhofshallen geschlendert bin und mir die Schaufenster angesehen habe. Und vor allem diese ständigen Rempeleien fand ich sehr furchtbar und ich habe mich echt gefragt, ob es wirklich schon ganz normal ist, erstens einfach nicht ordentlich auszuweichen, wenn man an jemanden vorbei will und zweitens, was noch schlimmer ist, absolut kein Wort der Entschuldigung über die Lippen zu bringen, wenn es denn dann doch passiert. Tja Alien halt, so habe ich mich echt gefühlt.

Ich war letztlich nach Tag 1 heilfroh wieder zuhause zu sein und die Ruhe wieder genießen zu können und ich war besser vorbereitet für Tag 2 und wusste ja nun schon, was auf mich zukommt.

Tag 2 verlief dann eigentlich genauso. Ich habe mich nur weiter an die Masse angepasst und mich inzwischen, da ich ja schon wusste, wie alles funktioniert, auch dem Tempo eingeordnet. Nur bei der Rückreise zum Bahnhof war ich dann wohl doch ein wenig zu langsam (aber ich konnte mich einfach nicht aufraffen, mich der Gruppe anzuschließen, die durch die Halle gesprintet ist, um den Zug noch zu erwischen) und habe meinen Zug um 2 Minuten verpasst. Mit einem Schulter zucken hab ich mir daraufhin einen Kaffee besorgt und mich in die Bahnhofshalle gesetzt und die Leute um mich herum beobachtet. Sehr spannend! Meine Beobachtungen möchte ich in einem eigenen Blogeintrag (in den nächsten Tagen) zusammenfassen, dieser hier ist nun eh schon lange genug 😉

Abschließend möchte ich nur noch sagen, wie froh ich bin ein Landmensch zu sein und am Land wohnen zu dürfen. Ich denke an das Stadtleben, an die Hektik und das Unpersönliche könnte ich mich nicht gewöhnen. Das Leben in der Stadt hat bestimmt auch Vorteile. Auch ich wünsche mir manchmal ein gewisses Kulturprogramm näher verfügbar zu haben oder auch einfach mal schnell einen Lieferservice anzurufen, wenn man Hunger hat oder vor die Haustüre zu treten, zweimal ums Eck zu gehen und sich in das nächste Restaurant, Imbiss oder sonstiges zu setzen. Bei uns am Land gibt es das alles nicht. Aber trotzdem bevorzuge ich definitiv die Ruhe hier, das Grün um mich herum und die netten Worte, wenn man denn Andere auf der Straße trifft. Ja ich bin und bleibe ein Landmensch!

 

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3 Gedanken zu “Auf Besuch in Wien

  1. Liebe Ingrid !

    Was soll ich da sagen? Ich mache dieses Chaos in Wien jeden Tag mit. Manchmal halte ich es auch kaum aus, aber ich lasse mich davon nicht einschränken. Das ist das tägliche Überlebenstraining für mich. 🙂

    Die Vorteile der Stadt hast du auch schon angesprochen. Kulturprogramm liegt quasi fast um die Ecke, die tägliche Lebensmittelnahversorgung ist auch gleich da. Das Leben in der Stadt ist ein Kabarett, jeden Tag. Ich könnte stundenlang in der Prater Hauptallee sitzen und die Leute beobachten.

    Ich bin gerne am Land und gehe auch sehr gerne in die Natur. Genieße die Ruhe und fülle meine Energiereserven wieder auf. Am Land leben könnte ich aber nicht, da würde mir auf die Dauer langweilig werden. Da ich nicht nur hochsensibel, sondern auch ein High Sensation Seeker, bin, ist meine Wohlfühlzone zwischen Unterforderung und Überforderung sehr eng.

    Ich freue mich schon auf deine Erzählung über die Beobachtungen, die du während deiner Wartezeit am Bahnhof gemacht hast. 🙂

    Herzliche Grüße,

    Caroline

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    • Liebe Caroline!
      Es ist doch schön, dass es beide Typen von Menschen gibt. Jene, die lieber am Land und jene, die lieber in der Stadt wohnen. Idealerweise findet jeder für sich, das das am besten passt. Ich finde es schön, wenn du dich in der Stadt wohlfühlst.
      Leute beobachten mache ich auch gerne, brauche dazu aber wirklich ein Plätzchen an dem ich in Ruhe sitzen kann. Ich kann einfach eine gewisse Enge und Masse an Leuten um mich rum nur ganz schwer aushalten. Mag es auch nicht ständig von allen Seiten berührt zu werden, das ist für mich sehr anstrengend.
      Meine Bahnhofserzählungen folgen bestimmt, bin nur grad etwas gestresst mit Arbeit somit könnte es noch ein wenig dauern (Notizen hab ich mir schon brav gemacht, damit ich auch nichts vergesse 😉 )
      LG, Ingrid

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      • Liebe Ingrid !

        Danke für deine Antwort! Menschenansammlungen meide ich auch, soweit es geht. Ich fühle mich in den oft übervollen Öffis auch nicht wohl. Ich lasse mich aber auch nicht von diesen Dingen in meiner Freiheit einschränken.
        Land und Stadt, beides hat seine Vor- und Nachteile. Ich bin größtenteils am Stadtrand aufgewachsen, nahe zum Wienerwald und fast im Grünen. Ich genieße die Natur, egal wo. 🙂

        Herzliche Grüße,

        Caroline

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