Ich oder doch jemand Anderer? (2)

Ich habe schonmal einen Beitrag mit diesem Titel geschrieben auch wenn es darin um nicht genau dasselbe geht wie heute, passt der Titel einfach heute wieder genauso gut.

Amommasview hat auf ihrem Blog einen Beitrag verfasst, der mich zu folgenden Gedanken angeregt hat.

Link zum Beitrag

Ich bin ein Mensch, der sich sehr viel verstellt, der in der Öffentlichkeit unter Menschen, Freunden, Kollegen sogar Familie eigentlich immer eine Maske trägt. Es gibt natürlich ein paar Personen, die mich besser kennen und auch mehr von mir selbst wissen und kennen, aber ich kann mit voller Überzeugung behaupten, dass es nicht einen Menschen auf dieser Erde gibt, der genau MICH kennt, der weiß was ich fühle, was ich denke, woran ich glaube, was ich gerne mache usw.
In meiner Matura(Abitur)zeitung stand als Charakteristika bei mir „Stille Wasser sind tief, manche sogar sehr tief!“ das hat damals ein wirklich guter Freund geschrieben, der mich im Gegensatz zu allen Anderen wirklich gut kannte und ich finde heute noch, dass er mich dadurch sehr treffend beschrieben hat.

Dieser Blog hier ist wahrscheinlich einer der Plätze, die am nähesten an mich rankommt. Hier gibt es nur wenige Dinge, die ich nicht schreiben und erzählen würde, aber ich weiß auch, dass in diesem Blog keiner aus meinem direkten Umfeld mitliest und daher fällt mir das auch einfacher bzw. war das eigentlich für mich mit ein Grund warum ich diesen Blog gestartet habe, um endlich einen Platz zu haben an dem ich wirklich ICH sein kann.

Ich würde manchmal gerne mehr von mir preisgeben denke aber immer viel zu sehr darüber nach, was andere denn dann von mir denken würden. Hier genau an dieser Stelle möchte ich ein paar Facts niederschreiben, die mir hierzu gerade einfallen.

Ich schreibe seit fast 7 Jahren Rollenspiele in einem englischen Wrestling-Rollenspiel-Game und keiner weiß davon. Ich hab früher (als ich noch jung war) regelmäßig Wrestling im Fernsehen angschaut. Absolutes Tabuthema, ich hab mich nie getraut das laut auszusprechen.

Ich bin ein Fernsehserien-Junkie. Ich brauche keine Filme, ich brauche kein Kino aber ohne Fernsehserien könnte ich nicht leben. Woche für Woche entsteht eine Geschichte, mal fühlt mit den Charakteren nicht nur 120 Minuten mit sondern 45 Minuten jede Woche und das über oft sehr lange Zeit. Auch das weiß kaum jemand von mir außer mein Mann und mein Bruder.

Ich mache mir nichts auf Politik und auch Geschichte ist nicht etwas das mich sonderlich interessiert. In Gesprächen halte ich mich bei beiden dezent zurück, um meine Unwissenheit nicht offen zeigen zu müssen. Tiefgründige Diskussionen könnte ich hier nie führen.

Ich weine nie in Gegenwart Anderer, obwohl ich es manchmal so gerne tun würde. Als ich beim Arzt von meinem Tumor erfahren habe musste ich weinen. Es ging einfach nicht anders und es hat in dem Moment gut getan. Mein Arzt ging mit der Situation für mich perfekt um. Zuhause als ich es meiner Familie mitgeteilt habe, habe ich nicht geweint. Die Anderen haben geweint, ich nicht und ich wollte, dass auch die Anderen aufhören zu weinen. Ich verstellte mich, mimte die starke positiv denkende Person obwohl ich eigentlich nur weinend zusammenbrechen wollte. Ich hasse es wenn andere weinen, da fühle ich mich unglaublich hilflos, daher hab ich nicht geweint und konnte es so auch den Anderen „verbieten“. Die zweite Nacht im Krankenhaus hatte ich das Zimmer für mich alleine und ich brach zusammen, weinte stundenlang die halbe Nacht lang. Mein Kopf hat sich dabei die ganze Zeit nur gedacht, hoffentlich kommt jetzt die Schwester nicht und sieht mich so. Mein Herz hat sich danach gesehnt, das jemand kommt und mich so findet und mir vielleicht einfach nur den Arm um die Schultern legt und da ist und vor allem NICHT mitweint.

Mein Blogeintrag mit dem Titel „Aus welchen Gründen lügst du?“ passt auch hier genau noch zum Thema.

Ich glaube an Gott gehe jedoch kaum in die Kirche. Die Kirche ist mir zu starr, zu sehr immer nach dem gleichen Prinzip. Immer die gleichen Worte, die gleichen Gebete, die für mich einfach an Persönlichkeit verloren haben. Keiner denkt mehr wirklich über die gesagten Worte nach, jeder kennt die Worte auswendig und ist gedanklich wahrscheinlich ganz woanders. Nur die Predikt, die für mein Befinden oft viel zu kurz ist, finde ich immer recht schön, weil es einfach persönliche Gedanken sind, die einem mitgeteilt werden. Ich würde gerne Gott noch mehr in mein Herz lassen, würde gerne die großartigen Erfahrungen von denen ich schon so viel im Internet gelesen und gehört habe (wie auch das Video in meinem letzten Beitrag) mehr in mein Herz lassen und erleben. Offen dazu zu stehen kann ich nicht wirklich. Man hat das Gefühl, dass Religion nicht den besten Ruf hat in der heutigen Gesellschaft. Es wird gewitzelt über jene die Glauben, wie soll man sich da noch öffnen und es zugeben, wenn man von allen Seiten das Gefühl bekommt dadurch völlig lächerlich zu sein.

Noch ein Punkt fällt mir ein, ähnlich zur Religion. Ich denke viel darüber nach, ob mir eine Therapie gut tun würde. Sehr viel ist in meinem Leben schon passiert und ich glaube sehr viel habe ich nicht wirklich verarbeitet, sondern ich habe vor allem die Mauer um mich rum noch dicker und größer gebaut. Aber eine Therapie hat in etwa den gleichen Ruf wie Religion. Vor etwa einem Jahr als eine neue Kollegin bei uns in der Arbeit eingestellt wurde hat mir meine Kollegin erzählt, dass die besagte neue Kollegin erst kürzlich wohl eine Therapie gemacht hätte und man müsse mal schauen, ob es klug war sie einzustellen. Wie bitte? Warum denn nicht? Ich war da erstmal etwas geschockt. Noch so eine Situation, ich habe heute mit meiner Mutter gesprochen, sie musste mal eine verpflichtende Therapie machen wegen Ihrem Pensionansuchen und wir haben heute über Behördenwege und komplizierte Abläufe gesprochen und Sie meinte „Als sie mich damals zum Vogel-Doktor geschickt haben, war das auch alles völlig umsonst!“ Tja braucht man eine Therapie ist man verrückt, hat einen Vogel, ist nicht mehr zu normaler Arbeit fähig, usw. das bekommt man vermitteln. Wie soll man sich da eventuell öffnen und um Hilfe bitten. Nein danke!

Dieser Beitrag hat jetzt eine völlig andere Richtung genommen als ich eigentlich geplant hatte, aber das passiert mir immer wieder beim Schreiben, dass sich einfach alles von selbst entwickelt.

Ich würde mich über Kommentare sehr freuen, auch wenn ich weiß, dass es sehr viel geworden ist.

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2 Gedanken zu “Ich oder doch jemand Anderer? (2)

  1. Liebe Ingrid!

    Ich finde es beeindruckend, wie offen und ehrlich du hier geschrieben hast. Du hast sehr viel Mut bewiesen, du hast wohl die größte Angst überwunden, die Angst, was wohl die anderen von mir halten. Ja, stille Wasser sind tief, sie sind wunderschön, haben viel innere Stärke, einen geheimnisvollen Charakter und jeder Tag mit diesen Menschen ist ein Abenteuer, eines, das ich jeden Tag aufs Neue wieder machen würde. Du weißt gar nicht, wie sehr du mir mit deinem Beitrag geholfen hast. Danke, ich glaube, wir beide würden uns gut verstehen. 🙂

    Herzliche Grüße und bleib dir treu,

    Caroline

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Caroline!
      Danke für deine tollen Worte, die mich zu Tränen gerührt haben. Ich freue mich immer von dir zu lesen, egal ob hier bei mir oder auch deine Beiträge und denke auch wir würden uns gut verstehen. 🙂 (machen wir ja eigentlich schon)
      Offen und erhlich war dieser Beitrag, aber das schaffe ich nur hier, es im wirklichen Leben zu schaffen, davon bin ich noch weit entfernt. Wie ich geschrieben habe, weiß ich das aus meinem Umfeld hier keiner mitliest, da fällt mir sowas leichter.
      Du schreibst von innerer Stärke – ich fühl mich nie stark, sondern eigentlich immer sehr schwach und heute ist ganz allgemein einer der wenigen guten Tage.
      LG, Ingrid

      Gefällt 1 Person

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