Bin ich eine schlechte Mutter?

Die Frage beschäftigt mich und derzeit wieder ziemlich extrem, beziehungsweise ist es eigentlich nicht die Frage, die mich beschäftigt sondern das Gefühl das da einfach da ist. Das Gefühl eine schlechte Mutter zu sein. Immer wieder kommen dabei auch die Gedanken hoch, dass es mir daher nicht vergönnt war, mehr als ein Kind zu haben, weil ich es einfach nicht verdient habe, weil ich ja eines nicht mal auf die Reihe bekomme.

Nun zum Warum. Warum glaube ich eine schlechte Mutter zu sein und warum gerade jetzt wieder extrem?

In etwas weniger als 2 Wochen wird meine Tochter 10 Jahre alt. 10?! Ein runder Geburtstag, etwas Besonderes. So sollte es zumindest doch eigentlich sein. Geschenke und eine riesengroße Feier würde ihr doch eigentlich zustehen zum ZEHNTEN Geburtstag, oder?
Geschenke wird es geben, aber die Feier fällt aus? Ich gestehe ich mag keine Kindergeburtstage, nicht weil ich es meiner Tochter nicht vergönnt wäre, sondern weil ich es nicht schaffe mit den anderen „Über-drüber-Müttern“ mitzuhalten. Mottopartys – alles muss zusammenpassen. Ein riesen Begrüßungsschild an der Tür, die Tischdecko, die Zimmerdeko und natürlich dann  noch die passende Torte, eine schöner wie die andere. Dann müssen natürlich noch die passenden Spiele vorbereitet werden, die dem Motto natürlich auch voll und ganz gerecht werden. Und Geschenke, die gibt es natürlich nicht nur für das Geburtstagskind, nein auch jeder Gast muss, zum Motto passend, natürlich auch ein Geschenk bekommen und das muss mehr als als nur ein paar Süßigkeiten. Ich kann da nicht mithalten!!! Mir fehlt einerseits die Zeit eine Geburtstagsparty dieses Umfanges vorzubereiten und andererseits fehlt mir das nötige Kleingeld dazu, um Zimmer-, Tischdeko, Geschenke usw. zu kaufen und das jedes Jahr wieder.
Wagt man es dann doch eine Party zu machen, dann fällt beim Eintreffen der ersten Kids schon die erste Bemerkung: „Gar keine Geburtstagsdekoration, ich hatte bei meiner Party ….“ nur um damit es dann beim an den Tisch setzen weitergeht mit „Ich hatte bei meiner Party … Teller, Becher und Servietten, da hat alles gepasst.“ Weiter geht es dann bei der Torte: „Meine war viel größer und hat ausgesehen wie ein …“ Am Abend werden die Kids abgeholt, fragt eine Mutter „Na was hast du denn schönes gekriegt?“ (Und nein sie hat nicht meine Tochter von wegen Geburtstag uns so gefragt, sondern ihr Kind!) und die Antwort ist „Ach nur einen Lolli!“
Das war ein Tatsachenbericht von der Party von vor 2 Jahren (letztes Jahr gab es auch keine Party zu ihrem Geburtstag, sie durfte aber stattdessen im Sommer eine Sommerparty mit Freunden veranstalten ganz unabhängig vom Geburtstag). Ich war danach völlig am Boden zerstört und auch meine Süße wirkte eher traurig als glücklich über die gelungene Party und ich hab mich damals so schlecht und nutzlos gefühlt, weil ich ihr nicht bieten kann, was andere ihren Kindern bieten. Und auch jetzt fühle ich mich wieder ganz mies weil es heuer keine Party geben wird, zumindest nicht jetzt bewusst zum Geburtstag. ABER ES IST DOCH IHR 10.!!!

Das ist aber nicht der einzige Grund warum ich mich als schlechte Mutter fühle – eher der Auslöser im Moment jetzt gerade wieder. Der Auslöser, um wieder mal alles durchzudenken.

Ich habe viel zu wenig Zeit für meine Tochter. Ich arbeite 30 Stunden die Woche, meist werden es einige mehr. Bin außerdem noch 2 Stunden täglich mit dem Auto unterwegs, also nochmal 10 Stunden pro Woche. Meine Tochter verbringt 2 Tage die Woche ganztags in der Schule, die andere Zeit ist sie bei der Oma, wenn ich nicht da bin. Wenn ich dann mal zuhause bin (an drei Tagen in der Woche bin ich fast 12 Stunden außer Haus!) dann ist es auch so, dass ich nicht jede Minute mit ihr verbringe. Entweder weil ich den Haushalt zu erledigen habe oder weil ich für mein Studium ganz dringend etwas erledigen muss oder weil ich einfach mal nur Zeit für mich haben möchte. So kommt es auch am Wochenende immer wieder vor, dass ich nicht jede Minute mit meiner Tochter verbringe, sondern sie entweder auch mal bei der Oma ist oder sich einfach mal auch ganz alleine über mehrere Stunden beschäftigt.
Und ich fühle mich oft furchtbar schlecht dabei und vor allem bekomme ich es auch immer wieder vermittelt wie furchtbar ich als Mutter doch bin. Ein Familienmitglied (ich will nicht näher spezifizieren in welchem Verhältnis) meinte mal zu mir, dass ich eine furchtbare Mutter sei, weil ich meinem Kind nichts biete. Keine Parties, keine Wochenendausflüge in Zoos, Vergnügungsparks, Kinos oder sonstiges und nicht mal Urlaub sei ich ihr vergönnt, sie müsse doch echt mal dringend das Meer sehen. Aber ich habe einfach nicht die Kraft dazu. Nach einer anstrengenden Woche bin ich froh an den Wochenende nicht auch wieder ins Auto steigen zu müssen und ewig lange zu fahren, nur um dann von einem Event zum nächsten zu hechten. Außerdem könnten wir es uns gar nicht leisten ständig unterwegs zu sein, das Geld ist einfach immer knapp und solche Ausflüge kosten ja auch Geld. Am Geldmangel scheitert es auch, dass wir uns mal einen großen Urlaub gönnen können. Wir versuchen jedes Jahr ein paar Tage wegzufahren, bleiben dabei meist aber in Österreich, mieten uns Ferienwohnungen und versorgen uns dort selbst, weil es einfach günstiger ist. Ich fühle mich furchtbar dabei meiner Tochter nicht mehr bieten zu können, nicht mehr für sie da sein zu können. SIE HÄTTE ES DOCH AUCH VERDIENT WIE DIE ANDEREN!!!

Bin ich eine schlechte Mutter?
Ja die Frage bringt mich im Moment wieder beinahe um den Verstand. Ich versuche die guten Dinge zu finden, die die ich richtig mache, aber die Dinge, die sie eben nicht hat, bzw. die ich nicht fähig bin ihr zu geben, überwiegen allen Anderen auf unbeschreibliche Art und Weise.

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12 Gedanken zu “Bin ich eine schlechte Mutter?

  1. Ich finde nicht, dass Du deswegen eine schlechte Mutter bist. Aber Du hast ein komisches Umfeld, wenn die Reaktionen auf eine kleine und einfach Party so bescheiden sind. Hauptsache Party – spielen – toben – lustig sein – Kuchen essen. Was brauchts denn mehr? Ein paar Luftballons und etwas Musik, ein paar Würfel und Stift und Papier und die Party kann mit ganz wenig Aufwand ganz lustig sein. Der 10. sollte schone gefeiert werden. Meine Tochter war an ihrem 10. mit Lungenentzüngung im Spital und sie weiss heute noch, dass die ganze Abteilung mit Clown und Ballons für sie gesungen hat und wir Pizza gegessen haben. Und sie ist jetzt 20. Gib Dir einen Ruck! Deine Tochter wird sich mega freuen – bestimmt! 🙂

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    • Danke Dir!
      Und ich war eigentlich auch immer der Meinung, dass es vor allem darum geht gemeinsam etwas zu machen bei einer Party aber die Party vor zwei Jahren hat mich echt eines besseren belehrt. Ich weiß auch nicht, hier bei uns scheint sich jeder übertreffen zu wollen. Alles wird immer größer und noch mehr Besonders als bei dem zuvor.
      Vielleicht finde ich einen Mittelweg hätte da auch schon eine Idee dazu – weniger Gäste dafür Übernachtungs-/Pyjamaparty. Das könnte was werden.
      LG, Ingrid

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      • Meine Tochter durfte zu Übernachtunsgpartys immer 3 Freundinnen einladen, pro Matratze 2 und das Zimmer war voll. Dann verkleiden mit Mamas alten Kleidern, schminken, kichern und tuscheln. Das macht sogar Reisenspass – und sie hat heute noch die Bilder auf dem Computer aus dieser Zeit. Dass die Kampfglucken den Kampf um das schönste Kücken und die grössten Eier schon lange eröffnet haben, weiss ich. Ich habe übrigens darüber eine Geschichte gemacht. Aber lass Dich deswegen nicht stressen. Scheiss auf die! Anders kann ichs nicht sagen! 🙂

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  2. Ich finde nicht, dass Urlaub in einer Ferienwohnung an sich schlechter ist, als in einem Hotel. Wir machen mit unseren Kindern ausschließlich in Ferienwohnungen Urlaub, weil wir das stressfreier und schöner finden, als in einem Hotel. Außerdem müssten wir in einem Hotel für den gleichen Wohnraum das zigfache von der Wohnungsmiete bezahlen. Ich habe die verschienen Arten Urlaub zu machen bisher noch gar nicht mit den Kategorien „schlechter“ oder „besser“ versehen. Es sind einfach unterschiedliche Arten Urlaub zu machen. Das sollte in keinem Fall für dich ein Kriterium dafür sein, ob du eine gute Mutter bist.

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    • Ich weiß, dass Urlaub in Ferienwohnungen nicht prinzipiell schlechter ist. Ich finde sogar, dass Urlaub generell kein Kriterium sein sollte. Aber wenn dann meine Tochter nach Ferien mal wieder von der Schule kommt und recht traurig erzählt, was alle anderen so gemacht haben in den Ferien und wo sie überall waren, dann fühle ich mich echt mies, weil ich unserer diese Dinge nicht bieten kann und sie dadurch kaum was erzählen kann und vor allem auch irgendwie alleine ist.

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  3. Liebe, liebe Ingrid. Geburtstagspartys hatte ich immer nur im kleinen oder größeren Kreis der Familie. Meine Mama hat schon Partys gemacht, aber nie zu Geburtstagen. Torte gab es fast immer von Oma. Wenn es Feiern gab, dann sicher nicht mit abgestimmter Deko und passenden Gastgeschenken. Wenn, dann vielleicht ein paar Süßigkeiten. Wir haben meist irgendwas gebastelt. Zu meinem 10. Geburtstag hatte ich jedenfalls keine Party. Ich mochte diese Veranstaltungen auch nie so.

    Was ich damit sagen will: jede Familie ist anders, feiert anders und das ist gut so. Du machst dir viel zu viele Gedanken. Frag doch deine Tochter, was sie zu ihrem 10. Geburtstag gerne machen will. Vielleicht will sie einfach nur mit dir einen Mama-Tochter Tag machen.
    Gerade, wenn du unter der Woche usw wenig Zeit für deine Tochter hast, vielleicht wünscht sie sich gerade dann einen Tag nur mit dir.

    Lass dich nicht von anderen Müttern so beeinflussen, du bist richtig toll, so wie du bist. Wenn du innerlich der festen Überzeugung bist, dass du eine gute Mutter bist, dann wirst du auch passende Menschen in dein Leben ziehen. Die beschriebene Gesellschaft würde ich persönlich möglichst meiden. Die scheinen offenbar nicht zu wissen, dass nicht alle Menschen so viel Geld haben. Wenn ich ein Kind hätte, könnte ich mir auch nicht so viel leisten. Man kann auch ohne viel Geld Spaß mit seinem Kind haben. Urlaube in Österreich sind genauso gut, wie jeder andere. Die meisten Hotels sind meist eh total fad für Kinder.

    Ich finde, du bist eine großartige Frau, die es schafft, so eine wunderbare Tochter aufzuziehen, obwohl sie so viel arbeiten muss, um sich das Leben leisten zu können. Die anderen Mütter können sich was von DIR abschauen!

    Herzliche Grüße und viel Spaß mit deiner Tochter,

    Caroline aus Wien

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    • Liebe Caroline!
      Ein ganz großes DANKE für deinen tollen Kommentar. Mit der Familie feiern wir den Geburtstag natürlich auf jeden Fall, da brauch ich mich auch nicht zu verbiegen und die Torte macht auch bei uns die Oma 😉 Alles weitere muss ich erst noch entscheiden.
      Danke auf jeden Fall nochmal für deine wirklich lieben Worte. Hab mich sehr darüber gefreut.
      LG, Ingrid

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  4. Du Liebe, das ist doch Quatsch!!! Lass Dir doch nix einreden!! Hast Du Motto-Event-GEburtstagspartys gehabt? WAs soll das? Alle wollen immer mehr, mehr Geschenke, teure Geschenke, Motto-Partys, es gibt Leute die gehen ins Kino mit ??? x Kindern?! Oder ins Schwimmbad? Welcher normale Mensch kann sich sowas leisten und was soll der ganze Ami-Scheiss?
    Bei mir gabs Luftschlangen, Kuchen und Kaba und fertig … ich war zufrieden und glücklich. Meine Mum hatte noch zur Nachkriegszeit ihre Kindergeburtstage, da hat man sich über einen Kuchen oder ein Käsebrot gefreut. Irgendwo ist auch mal gut oder?

    Und in Urlaub war ich auch nur 2x mit meinen Eltern, was solls?? Hab ich nicht vermisst.

    Wo ist eigentlich der Papa ?? (indiskret ich weiß, fällt mir nur gerade ein wo ich da so lese…?!)

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    • Ich danke dir für deinen lieben Kommentar.
      Ja Kino, Schwimmbad oder Sonstiges. Letztes Jahr war meine auf einer Party eingeladen, die hat eine Kutschenfahrt für die Kinder organisiert, da war ich erstmal auch sprachlos. Aber wie gesagt, bei uns scheint momentan alles immer mehr zu werden, jeder will den anderen übertrumpfen (das ist wahrscheinlich der Nachteil wenn man in einer kleinen Ortschaft wohnt, wo jeder jeden kennt und sich alles rumspricht)
      Der Papa arbeitet Vollzeit und pendelt, genau wie ich, auch täglich (wenn auch nur die halbe Strecke von mir) und ist daher genauso wenig wie ich, oft auch noch weniger zuhause. An den Wochenenden ist er viel privat arbeitend unterwegs oder kümmert sich zuhause am Haus um dieses und jenes. Aber vor allem am Wochenende, wenn ich Zeit alleine brauche, ist er natürlich auch für sie da. (Unsere Tochter findet es aber bei der Oma oft viel spannender als beim Papa, weil sie die Oma besser um den kleinen Finger wickeln kann 😉 😉 )
      LG, Ingrid

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      • dazu ist mir heute nacht noch was eingefallen- bei der arbeit lesen wir meistens erstmal befunde, laborergebnisse, arztberichte, werten aus … und dann… wenn wir nicht weiterkommen zitiert mein kollege einen seiner lehrer: wir müssen zum äußersten greifen: den patient fragen 😀
        vielleicht solltest du das auch mal machen, deine kleine fragen wie es ihr geht, ob ihr was fehlt, ob sie glücklich ist… dann bist du ganz sicher beruhigt ❤

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