Die Passion Christi

Ganze 11 Jahre hat es gedauert bis ich nun zu den vielen Leuten zählen kann, die diesen Film gesehen haben. Als er 2004 im Kino war hat es mich nicht gereizt ihn anzusehen, ich hatte kein Bedürfnis und habe noch nie zu der Art Mensch gehört, die etwas machen, nur weil viele anderen es tun. Ich habe den Film daher damals ausgelassen. Und dann ist die Euphorie abgeflaut und es wurde irgendwann kaum noch darüber gesprochen.

Wenn man sich jedoch mit Religion und Glaube etwas näher beschäftigt, dann stolpert man auch zwangsläufig über diesen Film und ich habe vor einigen Wochen beschlossen, dass es nun so weit wäre und ich ihn mir auch ansehen möchte. Daher habe ich mir die DVD gekauft. Diese liegt nun seit Wochen neben meinem Fernseher und wartete darauf gesehen zu werden. Je näher Ostern rückte, desto mehr habe ich daran festgehalten, dass es der richtige Film für den Karfreitag wäre. Bis ich dann gestern Nacht plötzlich das große Bedürfnis hatte es JETZT zu tun. Es war schon nach Mitternacht eigentlich nicht mehr die Zeit noch einen Film zu starten, aber es ließ mich nicht mehr los, ich musste einfach, also habe ich ihn mir letzte Nacht noch angesehen.

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Ich bin froh nicht bis Karfreitag gewartet zu haben mit dem Film und ich bin vor allem froh den Film mitten in der Nacht und alleine gesehen zu haben. Ich denke ich könnte diesen Film nicht mit zig anderen Leuten in einem riesen Kinosaal sehen. Ich glaube, nein ich weiß, ich hab noch nie in meinem Leben bei einem Film so viele Tränen vergossen wie hier. Eigentlich weiß man doch alles was passieren wird. Ich hab die Evangelien, die die Geschichte erzählen inzwischen in den letzten Monaten mehrfach in der Bibel gelesen. Trotzdem gibt der Film allem plötzlich ein Bild. Die Grausamkeiten werden sichtbar und irgendwie bekommt alles ein Stückchen mehr Realität.

Was Jesus hier FÜR UNS durchgestanden hat ist unbeschreiblich. Aber ich denke seit dem Film auch viel mehr über Maria nach, seine Mutter, die diese Grausamkeiten mit ansehen musste. Wie muss man sich als Mutter fühlen, wenn dem eigenen Kind so etwas zugefügt wird. Dann seine Anhänger, die Männer, die im gefolgt sind an ihm geglaubt haben, seine Freunde, wie er sie selbst genannt hat.

„Ich enenne euch nicht mehr Knechte, denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut; euch aber habe ich Freunde genannt, weil ich euch alles verkündet habe, was ich von meinem Vater gehört habe“ (Johannes 15:15)

Petrus, der ihn dreimal verleugnet als Jesus gefangen genommen wurde. Sie Schuld die er daraufhin verspürt muss unermesslich sein. Johannes, der seine Mutter am Leidensweg begleitet hat und auch alles mitansehen musste. Noch am Kreuz kurz vor seinem Tod sprach Jesus zu seiner Mutter und zu Johannes.

„Als nun Jesus seine Mutter sah und den Jünger dabeistehen, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Darauf spricht er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von der Stunde an Nahm sie der Jünger zu sich.“ (Johannes 19:26-27)

Das war eine unglaublich berührende Szene. Aber einen ganz besonderen Schauer hat es mir bei folgendem über den Rücken gejagt.

„Und um die neunte Stunde rief Jesus mit lauter Stimme: Eli, Eli, lama sabachthani, das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Matthäus 27:46)

Kurz darauf durfte Jesus sterben und es muss für alle, die bis zu diesem Zeitpunkt noch am Kreuz standen und die trauerten, eine unglaubliche Erlösung gewesen sein. Zumindest ich vor dem Bildschirm habe genau das gefühlt – Erlösung! Endlich war er von seinen Schmerzen erlöst. Schmerzen, die er fühlen musste, für uns Menschen. Schmerzen, durch die er gehen musste weil er dafür auserwählt wurde, jedoch selbst nie etwas getan hat, damit er dies verdient hätte.

Meine Gedanken kreisen seither beinah ununterbrochen um den Film beziehungsweise um die Leidensgeschichte von Jesus. Es gibt vieles das ich noch nicht verstehe, vieles von der Bibel und generell vom Glauben liegt bei mir noch sehr im Nebel und ich kann hier definitiv jetzt nicht irgendwie kluge Worte schreiben. Aber meine Gedanken, die kann ich versuchen zu formulieren.

Seit ich gestern diesen Film gesehen habe und das Leiden von Jesus für mich plötzlich Bilder bekommen hat, frage ich mich warum wir Menschen nicht viel dankbarer sind. Es ist nicht viel was Jesus bzw. Gott von uns verlangt. Die 10 Gebote, die man einhalten soll, sind keine unlösbare Aufgabe und auch

„Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, gleichwie ich euch geliebt habe.“ (Johannes 15:12)

sollte doch für alle möglich sein. Warum erscheint es so unglaublich schwierig. Und ich nehme mich damit nicht aus. Auch ich lebe oft nicht so, wie ich es sollte. Vor allem das Lügen scheint heute schon normal geworden zu sein. Eine kleine Lüge hier, eine kleine Lüge da, tut doch keinem weh. Aber muss es wirklich sein? Sind diese Lügen wirklich notwendig? Ich bin außerdem oft mal gereizt und werde laut, schimpfe oft mal mit meinem Tochter anstatt ein ordentliches Gespräch mit ihr zu führen und es vielleicht gemeinsam zu klären. Auch mein Mann bekommt immer mal wieder meine Stimmungsschwankungen zu spüren. Hinterher tut es mir meist sehr leid aber dann ist es schon zu spät und es ist schon passiert.

Gott liebt uns Menschen, jeden einzelnen davon. Viele Schicksale, die uns Gott auferlegt kann ich nicht verstehen. Auch in meinem Leben sind schon viele Dinge passiert, die ich nicht verstehen kann aber die Frage nach dem Warum wird sich nicht beantworten lassen und ich verbiete mir nach dieser Antwort zu suchen. Ich verfalle immer wieder in diese Suche, versuche mich dann aber immer wieder selbst zu erinnern, dass es nichts bringt und es diese Antwort nicht gibt. Auch jedesmal wenn ich etwas von dem abgestürzten Flugzeug lese ist die Frage nach dem Warum groß im Kopf, wie kann es der Wille Gottes sein, dass 150 Menschen, darunter zahlreiche Kinder, einfach so das Leben lassen müssen. Ja das ist etwas, das ich absolut nicht verstehen kann und wahrscheinlich auch nie verstehen werde. Verstehen hingegen kann ich, dass viele nicht mehr an Gott glauben wollen, vor allem wenn solche Dinge passieren.

„O welche Tiefe des Reichtums sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unergründlich sind seine Gerichte, und wie unausforschlich seine Wege! Denn wer hat den Sinn des Herrn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen?“ (Römer 11:33-34)

Was mich jedoch seit dem Film am meisten beschäftigt, ist die Frage, ob ich denn die Liebe Gottes überhaupt verdient hätte. Bin ich ein guter Christ, mit dem was ich mache und wie ich lebe. Im Moment fühle ich mich nicht als guter Christ. Ich habe das Gefühl viel zu wenig dafür zu tun. Ich gehe kaum in die Kirche, war letzten Sonntag dort und viele Momente den Tränen nahe. Tränen, die ich gerne geweint hätte, aber da waren viel zu viele andere Menschen. Ich kann neben so vielen anderen Menschen nicht weinen! Von daher war dieser Gang in die Kirche für mich mehr Qual als Freude. Ich möchte mir gerne vornehmen öfter in die Kirche zu gehen, möchte es Gott versprechen es zu tun, aber ich weiß, dass ich dieses Versprechen nicht einhalten würde, daher mache ich es gar nicht.

Ich glaube an Gott und hoffe Kraft für mein Leben durch ihn zu finden und in vielen harten Momenten hat mir der Glaube auch schon viel Kraft gegeben. Der Gedanke, dass mein Sohn im Himmel ist, zusammen mit allen anderen Freunden und Familienmitglieder die uns voraus gehen mussten, ist für mich immer wieder tröstlich und macht die Trauer einfacher. Aber ich ertappe mich auch immer wieder vor allem dann zu beten und um Hilfe zu bitten, wenn es mir schlecht geht. Ich vergesse oft darauf einfach danke zu sagen. Das beschäftigt mich gerade sehr und das möchte ich auf jeden Fall auch ändern. Immer an Gott glauben, nicht nur wenn man den Glauben gerade aufgrund von schweren Zeiten nötig hat und man vor allem nach Unterstützung sucht. Hat man sein Unterstützungsrecht irgendwann aufgebraucht? Steht mir irgendwann keine Hilfe mehr zu, wenn ich immer nur fordere aber nie gebe mit Dankbarkeit?

Mein Kopf ist so voll und meine Gedanken fahren Karussell. Vieles schaffe ich nicht annähernd in Worte zu fassen. Mehrere Stunden habe ich jetzt über diesen Beitrag gebrütet und er enthält nur einen Bruchteil der vielen Bruchstücke, die sich gerade wie irr in meinem Kopf herumschlagen. So gerne würde ich all diese Dinge mit jemanden diskutieren, mit jemanden der viel mehr Ahnung hat als ich, der mir vielleicht die eine oder andere Frage beantworten kann oder zumindest die richtigen Wege zeigen kann und mir vielleicht auch ein wenig die Angst nimmt, die Angst etwas falsch zu machen!

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10 Gedanken zu “Die Passion Christi

  1. ich hab ihn mir auch nicht angesehen, weil er ja wirklich sehr brutal sein soll wie du bestätigst, ich weine sowieso schon jeden karfreitag in der kirche (ich schäme mich dafür, ich idiot!!!) es gibt noch einen sehr schönen (kino) film, leider sehr schwer zu bekommen, nur in christlichen buchhanldungen – jesus sein leben, sehr schöner film an den original schauplätzen …

    dein artikel und deine gedanken sind sehr schön, danke fürs aufschreiben!

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    • Danke fürs Lesen meines Beitrages und deine Worte! Mir treibt es sehr oft die Tränen in die Augen wenn ich in der Kirche bin und halte mir die immer gequält zurück. Ich kann neben anderen einfach nicht weinen. Als Idiot brauchst dich aber nicht zu fühlen. Tränen sind doch was ganz natürliches! Aber verstehen kann ich dich auch.

      Danke auch für deinen Filmvorschlag Ich werde mal schauen ob ich diesen irgendwo bekommen kann. Ich hab bei meiner Bibel-App auch einen Jesus Film dabei den ich mir bisher noch nicht angesehen habe weil am ipad Fernsehen ist nicht so meins. Aber das hol ich bestimmt auch mal nach.

      Danke auf jeden Fll nochmal für deinen Kommentar und ein schönes Osterfest wünsche ich dir!!

      LG Ingrid

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  2. Ich habe ihn mir Gestern wieder angesehen und ich muss immer an der Stelle weinen, in der Jesus zu Bode geschlagen wird und Maria zu ihm rennt um ihm zu helfen (Rückblende zu der Kindheit).
    Ich würde auch nicht behaupten, dass ich vieles über Gott weiß, doch ich glaube eines kann ich dir sagen:
    Es gibt keine perfekten Christen. Wir alle sind Menschen, wir machen Fehler. Gott weiß das und seine Liebe hört nicht auf oder ist ab einem bestimmten Punkt aufgebraucht. 1. Korither 13, das Hohelied der Liebe: So ist Gottes Liebe. Die Gedanken du du hast und in deinem Text beschreibst haben wir alle, du bist damit nicht alleine :). Ich gehe auch so gut wie nie in die Kirche da ich negative Erfahrungen damit gemacht habe, Doch um eine persönliche Beziehung zu Gott aufzubauen benötigt man diese auch nicht. Jesus hat gesagt: „Wenn ihr betet, macht es nicht so wie die Heuchler, die sich dazu gern in die Synagogen und an die Straßenecken stellen, damit sie von den Leuten gesehen werden. Ich versichere euch: Diese Ehrung ist dann schon ihr ganzer Lohn. Wenn du betest, geh in dein Zimmer, schließ die Tür, und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dann wird dein Vater, der ins Verborgene sieht, dich belohnen. Beim Beten sollt ihr nicht plappern wie die Menschen, die Gott nicht kennen. Sie denken, dass sie erhört werden, wenn sie viele Worte machen. Macht es nicht wie sie! Denn euer Vater weiß ja, was ihr braucht, noch bevor ihr ihn bittet.“ (Mat 6,5-8). 🙂

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    • Danke für diesen wunderbaren Kommentar und die tolle Bibelstelle aus Matthäus an die ich wohl mal wieder erinnert werden musste, um mein schlechtes Gewissen rund um das nicht in die Kirche zu gehen, wieder etwas ablegen zu können! Ich mag dieses zur Schau stellen von vielen in der Kirche eben auch nicht. Leute, die denken etwas besseres zu sein, weil sie jeden Sonntag in der Kirche sind, die Motive warum sie hingehen bei vielen meiner Meinung nach aber völlig die falschen sind. Danke noch einmal!

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      • Nichts zu danken.
        Mir geht es genauso wie du es beschreibst. Ich wohne in einem überschaubaren Dorf und man kennt manche der Menschen die in die Kirche gehen und weiß dementsprechend aus welchen Beweggründen sie es tun. Das hat mich von der Kirche weggetrieben.
        Es gibt in der Bibel nur eine Stelle in der Jesus die „Fassung“ verliert. Als er nach Jerusalem kommt und in den Tempel geht. Ich frage mich oft wie er heute reagieren würde wenn er sich in unseren Kirchen umschaut.

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        • Ich muss sagen, die Kirche, also das Gebäude selbst, mag ich sehr gerne. Gehe auch gerne hinein, nur für mich und ganz alleine um eine wirklich stille Zeit genießen zu können. Viele Menschen ist etwas das ich einfach nicht gerne hab und bei der Messe gibt es einfach immer viele Menschen und dann eben noch jene, die zum Beispiel hingehen, um die schönen neuen Kleider zu zeigen, die sie gekauft haben.
          Ich fühle mich in der Messe immer sehr beobachtet von den Leuten um mich herum. Man hat das Gefühl das manche nur darauf warten, dass man einen Fehler macht, um dann entweder kopfschüttelnd daneben zu sitzen oder sich gleich auch einmischen (hab ich beides schon erlebt). Es gibt sehr schön gestaltete Messen bei uns, unser Pfarrer ist großartig ich mag seine Predigten, aber ich bräuchte eine einsame Ecke in der Kirche, wo ich sein kann wie ich will, weinen kann wenn ich will und mich wirklich einlassen kann auf das was gesagt wird, dann wäre ich vielleicht auch öfter dort!

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  3. „Guter“ oder „schlechter“ Christ ist etwas, das wir konstruiert haben. Für Gott gibt es doch nur Menschen, die er liebt. Liebst du dein Kind weniger, nur weil es nicht von dir weiss? Wenn deine Tochter dich anlügt, wirst du sie dann verstossen? Natürlich nicht! Ich denke, unser Problem ist, dass wir verstehen wollen, was unser Verstand einfach nicht verstehen kann. Wir müssen die Dinge einfach Dinge sein lassen und darauf vertrauen, dass alles seinen Sinn macht. Ich habe den Film nicht gesehen, aber die Geschichte von Jesus hat einen ungeheuren Realitätsbezug. So viele Menschen sterben heute im Kampf für das Gute, und das einzige, das wir tun können, ist zu versuchen, uns selber für das Gute in der Welt einzusetzen. Ich bin mega froh, dass du den Mut hattest, diesen Eintrag zu schreiben! Er ist extrem berührend und ich hoffe für dich, dass du es schaffst, dein Vertrauen zu finden! :*

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