Gedanken über verlorene Freundschaft

„Sie ist nicht zuhause!“ Die Worte hallen in meinem Kopf und ich weiß nicht was ich damit anfangen soll. Ich gehe gedanklich immer wieder zurück zu dem kurzen Moment den ich vor der Tür gewartet habe, bevor ich die Klingel gedrückt habe. Ich weis nicht mal mehr warum ich gewartet habe, es ist einfach passiert und es waren nur zwei oder drei Sekunden. Aber ich hab sie ganz deutlich gehört. „Wenn sie kommt, sag ich bin nicht da!“ Habe ich es mir eingebildet, mich getäuscht, vielleicht war es einfach ihre Mutter, die mit sich selbst gesprochen hat? Ich versuche mir eine logische Erklärung zurechtzulegen, wollte ich doch so sehr eine finden. Der Weg zu mir nachhause ist kurz, meine Mutter schaut mich an, fragt was los sei. Ich antworte darauf nur, was ich selbst als Antwort bekommen habe, „Sie ist nicht daheim“, und verschwinde in meinem Zimmer.

18 Jahre ist dieser Tag nun schon her aber vergessen ist er bis heute nicht. Meine damals beste Freundin hat beschlossen nichts mehr mit mir zu tun haben zu wollen. Nach diesem Erlebnis hab ich noch mehrmals versucht sie zu besuchen. Handy gab es damals noch nicht und am Festnetz antworteten ihre Eltern und anfangs hieß es, sie ist nicht da, später irgendwann, sie will nicht reden. Wir wohnten nur 500m voneinander entfernt und doch haben wir seit diesem Tag kein Wort mehr miteinander gesprochen. Und das schlimmste ist, ich weiß bis heute nicht warum!

Seit 18 Jahren denke ich immer wieder darüber nach was ich so schlimmes gemacht haben muss, damit sie mir von einen Tag auf den anderen einfach so die Freundschaft kündigt und uns überhaupt keine Chance mehr geben will. Vielleicht war ich auch zu wenig hartnäckig, vielleicht hätt ich noch bestimmter sein sollen in den Versuchen die Freundschaft zu retten, aber irgendwann wurde ich wütend auf sie und fragte mich warum ich mir eigentlich die Mühe mache, wenn sie eh nicht mehr will. 

Heute 18 Jahre später wohne ich immer noch am gleichen Ort, wir haben uns hier mit unserem eigenen Haus sesshaft gemacht. Sie ist irgendwann weggezogen. Mit ihren Eltern verstehen wir uns recht gut und auch mit ihrem Bruder passt es perfekt, aber über sie wird nicht gesprochen. Es wird nichts erzählt und ich gebe zu, ich frage auch nicht nach.

Ich denke oft an die schöne Zeit, die wir zusammen hatten. Die tollen Stunden in der Kindheit, die Stütze die sie mir nach dem Tod meines Vaters war. Sie schaffte es mich auch damals zum Lachen zu bringen und war aber auch da wenn ich einfach mal nur weinen wollte. Es gab niemanden mehr nach ihr, den ich auch nur annähernd wieder die Beschreibung beste Freundin geben würde. 

Das Warum wird für immer bleben, wenn auch nicht mehr so bestimmt wie die erste Zeit gleich danach, aber es bleibt trotzdem für immer da.

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6 Gedanken zu “Gedanken über verlorene Freundschaft

  1. Sowas kenne ich leider auch.
    Völlig aus heiterem Himmel und grundlos.
    Wir waren unzertrennlich, haben uns in der Lehre kennen gelernt. Waren zusammen in Urlaub, haben uns trotz telefonieren, Postkarten geschrieben, nur um den anderen eine Freude zu machen. Waren immer füreinander da wenn es Kummer gab.
    Tja und als ich merkte es stimmt was nicht, habe ich ihr einen Brief geschrieben, was los sei..
    Keine Antwort – am Telefon hat sie sich dann darüber lustig gemacht ….
    Das wars …
    Ich habe auch nie den Grund erfahren.
    Aber wenn einem wirklich was an der Freundschaft liegt, ist man ehrlich und sagt, was einem nicht gepasst hat und schafft es aus der Welt.

    Das Schlimmste sind die Selbstzweifel die einen dann treffen; was habe ich nur getan, was habe ich gesagt? Wieso mag sie mich nicht mehr ..

    Und trotz der Wut, ich wollte sie auch nicht mehr zurück als Freundin, nach so einen Bruch ist nie mehr so viel Vertrauen da, dass es wird wie vorher… aber so eine Freundin hatte ich auch nie wieder.

    Gerade jetzt passiert ist wieder, ich weiß zwar, dass die Freundin psychisch auch Probleme hat… trotzdem tut es weh.

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    • Danke für dein liebes Kommenar und tut mir leid, dass dir das auch passiert ist. Die Selbstzweifel waren für mich auch am schlimmsten, hab viel Zeit damit verbracht meinen Fehler zu finden. Ich frage mich auch oft, wie ich reagieren würde wenn sie plötzlich vor der Tür stehen würde und finde darauf aber auch nie eine Antwort. Ich denke aber auch nicht das das passieren wird. Viel nachgedacht hab ich auch darüber, ob sie auch an die schöne gemeinsame Zeit öfter mal denkt oder das mit dem Bruch für sie alles vergessen war.

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      • Kenn ich, die Situation kam sogar.. sie hat mich angeschrieben… ich hätte ihr verziehen… mich ab und zu mit ihr getroffen. Auch wenn es nicht mehr so geworden wäre.
        Wenn … ja wenn sie gesagt hätte: hey tut mir leid, lass uns drüber reden was damals passiert ist..
        Hat sie aber nicht…
        Und ich denke, wir sollten vielleicht damit umgehen wie als Kinder. Mir ist gerade eingefallen, dass 2 Nachbars-Freundinnen umziehen mussten mit ihrer Familie. Ich war traurig, klar, aber es war halt so und als Kind macht man sich nicht fertig. Das Leben geht weiter, ist schön und bund und neue Freunde kommen … sollten wir versuchen. Vielleicht war es für irgendeinen Entwicklungssschritt besser, nötig oder auch für deren Leben wichtig. Hat nicht mehr gepasst… Auf anderen Wegen. Drück Dich!

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      • Ps was mir noch dazu einfällt, schreibe ihr doch einen Brief … Du musst ihn ja garnicht abschicken, aber es tut gut… und dann lass ihn eine Weile liegen, dann kannst Du entscheiden ob Du es verbrennst oder ihr doch tatsächlich schickst …

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        • Danke für deine lieben Kommentare und die Idee mit dem Brief finde ich gut.
          Abschicken würde ich Ihn wahrscheinlich nicht (wüsste auch gar nicht wohin, weiß nicht wo sie jetzt genau wohnt) aber den Brief zu schreiben werde ich wohl mal ausprobieren!

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  2. Das ist mir vor nicht so langer Zeit passiert, auch wenn ich an der „Initial“-Verletzung schuld war. Ich habe alles versucht, um es wieder gerade zu biegen, und es schien auf gutem Weg zu sein, bis plötzlich eine Art Ultimatum kam wegen einer andere freundschaftlichen Beziehung (also „entweder-oder“). Das konnte ich nicht akzeptieren, und daraufhin würde mir die Freundschaft aufgekündigt 😦 Ich frage mich noch oft, wie es ihr wohl geht…wäre auch zu einem neuen Anfang bereit, wenn man sich über alles aussprechen würde. Aber ich glaube nicht, dass das Bedürfnis da ist; sie scheint ihren Kreis zu haben und glücklich zu sein. Das freut mich trotz allem…hoffe es bleibt so für sie. Ach ja: den mit dem Brief habe ich auch schon gemacht – aber nicht abgeschickt. Ich habe in einem letzten schriftlichen Kontakt versprochen, sie nicht mehr zu behelligen und den Entscheid zu respektieren, und dabei belasse ich es auch.

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