Vorahnungen

Ich habe vor einiger Zeit hier mal erwähnt, dass eigentlich eine neue Brille bei mir fällig wäre, dies aber finanziell schwierig ist. Nachdem ich jedoch im Mai einen Kontrolltermin bei meiner Augenärztin hatte und die mir nur noch 70 % Sehleistung zugesprochen hat und mir wärmsten empfohlen hat mir eine neue Brille zuzulegen, wenn ich nicht weitere Verschlechterung wünsche, habe ich mich letztlich doch dazu entschlossen mir eine neue Brille anzuschaffen.

Gleich nach dem Termin gehe ich also mit meinem Rezept zum Optiker meines Vertrauens (seit 30 Jahren bekomme ich dort meine Brillen). Die nette Verkäuferin blättern dann kurz darauf in ihren Büchern der Spezialgläser und stockt kurz. Ich wusste was kommt, hatte ich doch das gleiche Problem vor 5 Jahren bei meiner jetzigen Brille. „Eine weitere Verschlechterung, die Werte sind schon recht hoch … das könnte ein Problem werden.“ Sie stottert schon fast, ich unterbreche ihr Leiden und antworte nur „Ich weiß, letztes Mal hieß es auch schon man könne die Gläser so nicht produzieren aber € 120,- pro Glas mehr haben letztlich das Problem gelöst!“ Ich lächle Sie an, Sie schaut unsicher, lächelt dann aber zurück. Ich denke Sie hat verstanden, dass ich nicht böse auf Sie oder den Optiker bin, weiß ich doch, dass die Gläser auch nur angeliefert werden. Sie antwortet kurz darauf mit einem bestimmten: „Das kriegen wir schon hin.“ Da dies an einem Samstag war und somit beim Gläserlieferant niemand verfügbar, versprach Sie sich gleich Montags darum zu kümmern und sich zu melden.

Am Montag dann wie versprochen der Anruf, und dies sogar mit guten Neuigkeiten. Die Produktion der Gläser sei kein Problem, man müsse nur schauen die Fassung möglichst klein (auch problematisch bei mir, weil ich eine Bifokalbrille brauche und die halt einfach eine gewisse Größe haben müssen!) sei. Wenn möglich solle ich möglichst rasch nochmal vorbeikommen, um entweder eine neue Fassung auszusuchen oder die bestehende Fassung abmessen zu lassen. Ich fuhr am gleichen Tag spät nachmittags noch hin und obwohl ich wusste, dass die Gläser schon nah an eine 4stellige Zahl heranreichen würden, hatte ich trotzdem vor mir auch eine neue Fassung zuzulegen, alleine schon deshalb weil ich das stundenlange Warten ohne Brillen vermeiden wollte, wenn die Gläser nur getauscht und in die bestehende Fassung eingearbeitet werden.
Leider wurde aus der neuen Fassung nichts. Ich hatte gleich ein ungutes Gefühl, ständig schwebte mir dieses ‚die Fassung dürfte nicht zu groß sein‘ im Kopf herum. Irgendwie wusste ich einfach, dass das mit der neuen Fassung nichts werden würde und war dann auch nicht allzu enttäuscht als es wirklich so war. (Die derzeitige Brillenmode ist nunmal auf groß und größer ausgerichtet, da passte einfach so gar nichts.) Das war wohl Vorahnung Nr 1 in der Brillensache.

Es wurden dann also die Gläser bestellt. Mit 2 Wochen Lieferzeit muss ich rechnen, sagte man mir. Letzten Dienstag kam dann der Anruf die Gläser seien geliefert und könnten jederzeit eingepasst werden. Ich sagte ich würde Freitagnachmittag vorbeikommen, spätestens 15:30 Uhr sagte man mir, weil 2 Stunden würde es schon dauern. Auch das wusste ich schon vorher. Sofort nach dem Telefonat stellte sich ein ungutes Gefühl bei mir ein. Irgendwie setzte sich so ein Worst Case Szenario im Kopf fest, nämlich der Fall, dass ich mir die neuen Gläser in die Brille machen lasse und diese dann nicht passt! Je näher der Termin heute rückte, desto öfter sah ich vor meinem inneren Auge die Situation, dass ich meine neue Brille aufsetze und es nicht passt!

Ich gebe meine alte Brille also beim Optiker ab und schlendere durch die Stadt. Hätte es nicht geregnet, hätte ich mir einfach eine Parkbank gesucht und mich dort 2 Stunden niedergelassen. Weil es regnete habe ich mich für ein Kaffeehaus entschieden. Was macht man 2 Stunden wenn man nicht sieht. Lesen nicht möglich, schreiben nicht möglich, Tablet Smartphone und Co brachten mir auch nicht viel. Stundenlanges telefonieren im Kaffeehaus mache ich nicht! Ich saß also einfach da, hab meinen Kaffee geschlürft und über die Kopfhörer Musik gehorcht während ich mir durch die Fenster die verschwommene Welt draußen betrachtet habe. (Ich musste sogar nach der Toilette fragen im Kaffeehaus, weil ich das Schild dazu einfach nicht gesehen habe, obwohl es wirklich gut sichtbar platziert war!) Und das ungute Gefühl, dass das ganze schief gehen würde wurde immer schlimmer.

Ziemlich genau 2 Stunden später kam der Anruf vom Optiker. Ich bezahle und mache mich gleich auf den Weg. Dort angekommen reicht mir die Verkäuferin die Brille, ich setze sie auf und es braucht nicht eine Sekunde bis ich es realisiere und auch gleich laut ausspreche „Da stimmt was nicht!“ Die Verkäuferin starrt mich verwirrt an. Ich nehme die Brille wieder ab, zwinkere kurz und setze sie wieder auf – zweite Chance und so. Aber wieder das gleiche – ich sehe verschwommen und habe das Gefühl die Welt dreht sich. Die Verkäuferin steht nun unmittelbar vor mir und schaut mich nervös an. Ich denke mir mal den Einzeltest machen und schließe das recht Auge. „Links ist gut“ sage ich gleich darauf, ich sehe die Welt um mich herum mit meinem linken neuen Brillenglas sehr gut. Dann die andere Seite, linkes Auge zu und die Welt dreht sich. „Rechts ist falsch“ sage ich einfach nur und nehme die Brille gleich wieder ab um weitere Unfälle zu vermeiden. Die Verkäuferin nimmt die Brille nervös an sich und verschwindet mit den Worten „Ich schau mir das an“ nach hinten. Ich setze mich auf die leuchtend grüne Besucherbank im Geschäft und denke mir eigentlich nur noch – ‚Ich habs doch gewusst!‘. Mit so manchen Vorahnungen liegt man oft nicht so falsch. Ich hatte es im Gefühl!

Es dauerte 10 min bis die Verkäuferin sichtlich eingeschüchtert wieder zu mir kam und sich schon auf dem Weg zu mir, tausend mal entschuldigt hat. Leider gab es einen Fehler bei der Bestellung, das Glas ist leider falsch und es muss nun neu bestellt werden. Ich lächelte freundlich, sagte Fehler könnten passieren und konnte mir nicht verkneifen zu erwähnen, dass der größte Schaden eh bei ihnen selbst dadurch entstanden sei, weil die Gläser seien ja nunmal nicht billig. Ich weiß nicht, ich glaub diese Aussage fand sie nicht so ganz witzig (ich schon 🙂 ) Ich bekam daraufhin in meine Brillenfassung wieder die alten Gläser montiert, muss mich also noch weitere 2 Wochen mit nur 70% Sehleistung herumschlagen (hatte mich schon auf mehr gefreut) aber dann wird hoffentlich alles gut. Bis dahin weiß ich dann hoffentlich auch, ob ich vielleicht sogar Glück habe und meine Krankenversicherung zumindest einen Teil der Kosten übernimmt.

Sorry, dass ist jetzt lang geworden, aber irgendwie war mir danach die Geschichte zu erzählen. Ich wusste im Vorhinein es geht schief und konnte mich daher nachher so gar nicht mehr darüber ärgern, ganz im Gegenteil irgendwie fand ich es sogar ein Stückchen amüsant.

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5 Gedanken zu “Vorahnungen

  1. Ups.. Habe grosse Dioptrienabweichungen links und rechts. Brillengläser und Gestell sind bei Fielmann noch im 2 stelligen Bereich. Klingt nicht sehr gut und hoffe Du bekommst Teilkosten ersetzt…

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    • Danke – in meinen Gläsern steckt einfach zu viel drin. Ich hab Prismen auf maximal wegen Doppelsichtigkeit und Schielen. Die Bifokalbrille weil meine Akkomodation nicht richtig funktioniert und die Nahsicht sonst nicht gut wäre. Der Zylinderschliff wegen der Hornhautverkrümmung, die sich leider ziemlich verschlechtert hat und letztlich noch die „normale“ Weitsichtigkeit. Die Werte bei den einzelnen sind (außer beim Prisma) nicht tragisch aber die Kombination von allem ist Besonders, das sagt mir auch meine Ärztin immer wieder. Ich bin die einzige Patientin in ihrer Laufbahn, die Doppelsichtigkeit, Hornhautverkrümmung, Weitsichtigkeit, Akkomodationsschwierigkeiten und Schielen in Kombination hat, eins oder zwei davon gibt es oft aber nicht alles zusammen. (Sie geht in 5 Jahren in Pension, macht den Job also schon eine Weile 🙂 )

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      • Oh heftig. Habe „nur“ Dioptrienabweichungen von 4 links und rechts. Hatte als Kind Schiel OP und der linke Sehnerv wurde verletzt. 100 % bekomme ich nicht wegen d grossen Abweichungen. Räumlich sehen ist stark eingeschränkt. Aber die Kombination wie Du sie hast ist mir unbekannt. Allen Gute.

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        • Danke Dir! Oje Sehnerv verletzt das klingt auch nicht gut. Schiel OP kenne ich auch, hatte ich schon zwei davon. Die zweite hat mir die Doppelsichtigkeit eingebracht, seither brauch ich die Prismen, um aus zwei Bildern eins zu machen, meine Augen schaffen das alleine nicht mehr (bzw. strengt es mich auf Dauer extrem an).
          Ich bin nur froh, dass hier inzwischen schon so viel möglich ist, ich habe heute die 2 Stunden ohne Brille wieder gemerkt wie unmöglich das für mich wäre.

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  2. Liebe Ingrid, das ist mal wieder eine Geschichte. Ärgerlich, wenn man auf eine Brille angewiesen ist.

    Ich selbst habe eine Kombi aus verstecktem Schielen, Kurzsichtigkeit (durch die UNI). Das versteckte Schielen verstärkt die Kurzsichtigkeit. Meine Gläser sind daher jetzt auch zylindergeschliffen, wegen dem entstandenen Astigmatismus. Als Volksschülerin hatte ich „nur“ eine Schwach-Sichtigkeit.

    Dafür sind meine anderen Sinne umso besser. 🙂

    Alles Gute f. den 2. Versuch!

    Herzliche Grüße,
    Caroline

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