Niedergeschlagen

Der Wunsch nach ein wenig Zuneigung, Mitgefühl und Trost oder nach aufbauenden, tröstenden oder auch mutzusprechenden Worten ist doch eigentlich normal, oder?

Ich spreche in Gegenwart von anderen Menschen eigentlich kaum bis nie über das was gerade in mir vorgeht. Hier im Blog ist Platz dafür und auch hier gibt es immer mal wieder Beiträge, die ich gerne schreiben würde, es dann aber besser wieder bleiben lasse. Ich bin Meister im Verstellen und Verstecken von dem was wirklich in mir vor geht. Und doch würde ich mir öfter wünschen, dass Andere bemerken wie es mir wirklich geht, wie es in mir drin wirklich aussieht. Es jagt mir immer wieder einen zusätzlichen Stich ins Herz, wenn ich zum Beispiel nach einem echt bescheidenen Wochenende wieder in die Arbeit gehe und dort gesagt bekomme, wie erholt ich nicht aussehe und dass ich scheinbar ein tolles Wochenende hatte. Ich sage dann nicht viel dazu sondern lächle nur. Ich bin einfach nicht der Typ Mensch, der sich dann hinstellt und sagt, dass es mir eigentlich echt besch… geht.

Warum eigentlich nicht? Dürfte ich mich hinstellen und einfach sagen, wie es mir wirklich geht? Würde es überhaupt jemanden interessieren? Ist nicht die Frage nach dem ‚wie gehts dir?‘ meist eh nur eine Höflichkeitsfloskel? Wie oft interessiert es das Gegenüber eigentlich wirklich?

Ich stecke gerade mal wieder in einem großes Panikloch mit allem rund um meine Masterarbeit. Am liebsten würde ich im Moment wieder einmal einfach nur gerne hinschmeißen und aufgeben und mir eingestehen, dass ich es eben nicht geschafft habe. Die erste Woche Urlaub ist rum und nichts ist für die Arbeit geschehen. Zwei Wochen Urlaub kommen noch, aber da sind viele Tage davon schon viel komplett verplant. Noch dazu hätte ich eigentlich nach dem Arbeitspensum der letzten Wochen echt auch ein wenig Erholung nötig, aber nach Erholung fühlt sich das alles im Moment so gar nicht an.

In solchen Momenten sehne ich mich nach etwas Zuspruch, nach Mut und aufbauende Worte. Ist das verwerflich? Für mich fühlt es sich irgendwie so an, bin ich wirklich schon so verzweifelt, dass ich nach Mitgefühl betten muss? Ich habe auf jeden Fall dann gestern in meiner Verzweiflung einen Post auf Facebook geschrieben, dass ich eben verzweifelt bin und am liebsten einfach aufgeben und alles hinschmeißen würde. Und ja ich habe es gemacht um vielleicht ein paar aufbauende Worte zu bekommen. Letztlich habe ich außer einem „Gib nicht auf“ nichts bekommen.

Manchmal fühle ich mich so furchtbar alleine aber wahrscheinlich bin ich eh selbst schuld, die meiste Zeit schließe ich mich ja hinter den Türen meiner eigenen Welt ein und lass niemanden rein und auch nichts raus!

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7 Gedanken zu “Niedergeschlagen

  1. Hallo Ingrid, halte mich bitte nicht für vermessen, aber ich stelle dir jetzt mal eine Frage, die mir schon lange auf der Zunge liegt: Wo ist bei all dem Stress eigentlich dein Mann?
    Ich weiß von dir, dass ihr Doppelverdiener seid, aber das Geld scheinbar immer zu wenig ist. Du hast einen Tumor im Rücken, deine Tochter ist Epileptikerin. Du arbeitest 60 Std in der Woche und schreibst an deiner Masterthesis. Und du suchst Mut und Zuspruch nicht in deinem privaten Umfeld, sondern auf deinem Blog und in Facebook. Auch wenn du ‚ein Meister im Verstellen‘ bist, dein Mann müsste es merken und nicht nur das, er müsste dich auch unterstützen. Ich bin kein Psychologe und vielleicht gehe ich hiermit auch viel zu weit, aber ich gebe dir den Rat, dir professionelle Hilfe zu suchen. Geh zu deinem Hausarzt und erzähl ihm, wie es dir geht. Ehrlich und offen. Facebook und deine Follower auf dem Blog können dir nicht helfen, und dass du dort Mut zugesprochen bekommen willst, von Menschen, die du wahrscheinlich nicht mal kennst, spricht für mich Bände. Ich vermute, dass du beinharte Depressionen hast und direkt auf einen Zusammenbruch zusteuerst, von dem du nicht weißt, wie er tatsächlich aussehen wird.
    Sei mir bitte nicht böse. Ich erschrecke immer wieder, wenn ich deine traurigen Posts lese. Denk drüber nach, ob du nicht doch Hilfe annehmen willst. Manchmal ist einfach alles zu viel für einen Einzelnen. LG Hanna

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    • Liebe Hanna!
      Danke für deine ehrlichen Worte. Zu deiner Frage, wo mein Mann ist, kann ich nur sagen, er ist da und er unterstützt mich auch so weit es ihm möglich ist. Aber bei meiner Arbeit oder auch bei meinem Master kann er mich nur bedingt unterstützen. Auch meine Mutter ist da und unterstützt mich sehr viel. Ohne die beiden wäre mir all das überhaupt nicht möglich. Ich bekomme von beiden auch immer wieder Mut zugesprochen bzw. sagen mir beide immer wieder, dass sie sicher sind, dass ich das schaffen kann. Beide unterstützen mich im Haushalt und bei unserer Tochter, dass wir auch Ihren Alltag mit Musikunterricht, Tanzunterricht, Freunde besuchen usw. alles unter einen Hut bekommen.
      Aber ich gebe auch zu, dass vieles von meinem Gefühlen auch die beiden nicht kennen, weil ich mich einfach irgendwann komplett verschlossen habe. Ich sollte in vielen Dingen viel offener sein, wenn ich ab und zu mal etwas auf Facebook poste, ist das schon sehr viel für mich, vor allem weil Facebook total meinem privaten Umfeld entspricht. Ich habe wenige Freunde auf Facebook und die Personen dort kenne ich alle persönlich und gehören alle zu meinem näheren Umfeld – also Facebook ist für mich sehr „privat!“
      Der Blog hier ist der Kanal in dem ich mich etwas weiter öffne. Aus meinem privaten Umfeld kennen genau 2 Personen den Link zu diesem Blog. Wie intensiv die beiden mitlesen weiß ich nicht, vielleicht auch gar nicht mehr. Aber für mich ist es so genau richtig.
      Ich habe schon so oft darüber nachgedacht mir professionelle Hilfe zu suchen. Als mein Sohn starb hatte ich ein Gespräch mit einer Therapeutin, dass mir mehr geschadet als geholfen hat, seither habe ich es nicht mehr versucht und ich kann es auch nicht. Egal wie oft ich es mir schon vorgenommen hatte mit einem Arzt darüber sprechen, ich schaffe es einfach nicht. Egal wie sehr ich darüber sprechen möchte, es kommt kein einziges Wort aus meinem Mund. Frag mich nicht, warum ich es nicht kann, ich weiß die Antwort auf diese Frage nicht. Du schreibst von einem Zusammenbruch. Es gibt Tage da wünsche ich mir diesen sogar. Ich wünsche mir einzubrechen, um endlich keine andere Wahl mehr zu haben als den Mund aufzumachen. Aber ich rappel mich immer wieder hoch und dann kommen auch immer wieder bessere Tage.
      Es gibt einen Teil von mir der gerne Hilfe will. Dann gibt es da den Teil der furchtbare Angst davor hat, was dies bedeuten könnte und dann gibt es noch mich als Gesamtheit, die es einfach nicht schafft, um Hilfe zu bitten oder oft auch nur ehrlich zuzugeben wie es mir gerade geht. LG, Ingrid

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      • Ich wünschte, ich könnte dir helfen, aber dazu bin ich überhaupt nicht kompetent. Wenn du weißt, dass du Hilfe bräuchtest und du aber nicht darüber reden kannst, dann überlege dir doch einmal, ob du nicht deinen Blog ausdruckst und ihn deinem Arzt zum Lesen gibst. Frag ihn, wie er das beurteilt.
        Was deine Erfahrung mit einem Therapeuten angeht, so hast du vielleicht einfach den falschen erwischt. Wenn du dich dazu entschließt, dir helfen zu lassen, dann kannst du so lange suchen, bis du einen findest, mit dem du zurecht kommst. Du musst keinen nehmen, den man dir vorsetzt.
        Für mich sind deine Blogposts oft ein einziger Schrei nach Hilfe und das erschreckt mich. Und ich wünsche dir sehr, dass du einen Weg findest, dich anderen Menschen zu öffnen.
        Liebe Gruesse Hanna

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  2. Liebe Hanna
    Ausser der Masterarbeit kommt mir alles andere sehr bekannt vor. Ein sehr nachdenklichmachender Beitrag. Wünsch dir ganz viel Kraft. Lg

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      • Oh oops 🙂 .. na dann liebe Ingrid 🙂
        Ich hab noch meine Mühe sogar im Blogg offen zu schreiben. Aber dein Beitrag hat mich jetzt die ganze Zeit beschäftigt. Ich hab ja bereits erwähnt, dass mir alles bekannt vorkommt, was du schreibst. Mir ging es auch so, mittlerweile weniger, aber dadurch, dass ich eben früher auch immer im Stress war, hatte ich keine Zeit für Luxusprobleme wie einen Zusammenbruch oder Depression.

        Als dann letztes Jahr alle Stressfaktoren fast auf einmal wegfielen und mir es eigentlich wunderbar hätte gehen sollen, traf er mich mit voller Wucht. Ich hab auch nie jemandem erzählt, wie es mir geht, bei der Arbeit schon mal gar nicht. Aber zwei Frauen kamen unabhängig voneinander auf mich zu und meinten, ich soll mir Hilfe holen. Sie hatten die Symptome bemerkt und wie sie mir dann im Vertrauen sagten, hatten beide einen Zusammenbruch hinter sich mit jahrelanger Therapie und Medis. Ich war geschockt, weil ich es ausgerechnet von den beiden nie erwartet hätte, aber wahrscheinlich wirkte ich auf andere genau so. Denn als ich meiner besten Freundin später erzählte, dass ich einen Zusammenbruch hatte, war auch sie geschockt „Jeder, aber doch nicht du“ war ihre Antwort „und wenn es sogar dir passieren konnte, dann bin ich am A…“

        Jedenfalls überfiel es mich und zwar heftig. Ich hab nach Therapeuten gegoogelt und die erste genommen, die den Hörer abgenommen hat, war grad Mittagspause. Ich wollte plötzlich reden und wie ich es wollte, ich hatte aber vor allem Angst um mich selbst, weil ich nicht wusste, wie ich das überstehen sollte. Es war eine unglaublich harte Zeit und ich dachte, die hätte ich längst hinter mir, aber ich wollte auch ohne Medikamente da raus obwohl die Therapeutin immer wieder damit kam. Die ganze Zeit hab ich bereut, dass ich solange gewartet habe. Ich wusste, dass da so langsam etwas schief läuft, aber ich war so beschäftigt, dass ich das leicht ignorieren konnte bis es nicht mehr ging.

        Es geht mir zum Glück besser. Die grösste Überwindung war tatsächlich wieder etwas offener zu reden und zwar nicht mit der Therapeutin sondern mit Menschen aus meinem privaten Umfeld und auch das war schmerzhaft, da die meisten eben auf die Frage „Wie geht’s dir“ gar keine ehrliche Antwort wollen (oder sie sind sich die von mir einfach nicht gewohnt) und wenn ich dann plötzlich gesagt habe „Mir geht’s nicht gut“ waren sie schockiert und überfordert, weil das nicht der Mensch ist, den sie kennen. Sie konnten nicht damit umgehen und ich dann mit deren Reaktionen auch nicht. Mein privates Umfeld war sehr gut überschaubar, ich hab auf Facebook auch nicht viele Freunde sondern wirklich nur die, die ich gut kenne und mit denen auch im realen Kontakt habe, Posten tue ich sowieso nur Weihnachts- oder Ostergrüsse. Aber dann blieb mir kaum noch jemand übrig und ich musste mich überwinden, auf Leute zuzugehen, aus dem Haus gehen und ein Neues Umfeld schaffen, wenn ich wirklich was ändern wollte. Es kam mir vor, als würde ich von Neuen lernen ein Sozialleben zu führen, aber es hat sich gelohnt. Es geht immer einfacher und leichter und die neuen vier Freundinnen, die ich gefunden habe kennen mich nicht anders deswegen ist es sicher auch einfacher. Aber auch das alte versucht wenigstens langsam zu verstehen, sie brauchten auch einfach ihre Zeit.

        Was ich dir wünsche, ist dass du nicht so lange wartest. Ein guter Wunsch, den ich aber selbst nicht beherzigt habe, aber hoffentlich du 🙂 und was ich gemerkt habe, wenn man plötzlich keine Angst mehr hat zu sagen, was man fühlt merkt man recht bald, dass man nicht allein ist mit Einsamkeitsgefühlen und noch einer ganzen Palette an Gefühlen, die einen so befallen, nur haben wir verlernt offen zu sprechen.
        Ich wünsch dir ganz viel Kraft und einen schönen Abend 🙂

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        • Liebe Maki!
          Dein Kommentar hat mich sehr berührt und ich konnte erstmal nicht darauf antworten. Jetzt habe ich eine Nacht darüber geschlafen und mir fehlen immer noch die Worte.
          Aber ich möchte mich auf jeden Fall bedanken, dass du mir deine Geschichte hier erzählt hast, die mich sehr nachdenklich gestimmt hat. Ich wünsche dir auf jeden Fall für die Zukunft alles alles Gute und das es nun nur noch bergauf geht! LG, Ingrid

          Gefällt 1 Person

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