„11 Jahre“ ist NICHT gleich „Erwachsen“

Manche Eltern sollten das meiner Meinung nach ganz dringend auch nochmal gesagt bekommen.

Meine Tochter ist 11 Jahre alt und ich versuche sie durchaus in Selbstständigkeit zu erziehen und lasse ihr auch ihre eigenen Entscheidungen treffen und auch ihre eigenen Fehler machen. Aber ich denke trotzdem, dass 11jährige noch eine Linie brauchen, einen Wegbegleiter und vor allem auch Regeln, die einzuhalten sind.

Ein paar dieser/meiner Regeln möchte ich hier thematisieren:

Kein Facebook und kein Whats App mit 11 – Das fängt schon damit an, dass es lt. AGB gar nicht erlaubt ist und ich ihr bei einer Anmeldung zu Facebook eigentlich nur lerne, dass man eh schnell mal lügen kann (Geburtsdatum) wenn man es braucht und weil Whats App der größte Zeitdieb der Welt ist und die Kinder echt nur noch an ihren Smartphones kleben. Wenn meine Tochter eine Freundin zu Besuch hat, dann greift diese bei jedem ‚bling‘ zum Handy und antwortet dann natürlich auch. Das ging schon so weit, dass sie fast nur noch am Handy klebte, obwohl sie doch eigentlich bei meiner Tochter zu Besuch war. Beim letzten Besuch hab ich gesagt, dass Handy bleibt im Vorzimmer, kommt nicht mit rein. Die Freundin fands ganz schlimm, meine Tochter fands toll.

Kein Smartphone mit 11 – Da obiges nicht gebraucht wird, wird auch kein Smartphone gebraucht. Sie hat ein Handy, eines von der alten Sorte mit dem man nur telefonieren kann und SMS schreiben. Kein Internet! Sie hat es für den Notfall, dass sie rasch jemanden erreichen kann, wenn sie unterwegs ist bzw. ich sie erreichen kann, wenn ich mal irgendwo im Stau stehe und sie auf mich wartet. Wenn sie Internet für die Schule braucht hat sie zuhause ihr Tablet oder sie benutzt meinen Computer. Heuer zu Weihnachten könnte ich mir vorstellen ihr einen eigenen Computer zu kaufen, da sie ihn ja doch für die Schule nun immer öfter braucht. In ihrer Schulstufe (40 Kinder) gibt es nur noch 2 Kinder (meine inklusive) ohne Smartphone.

Vernünftige Zu-Bett-Geh-Zeiten, vor allem wenn am nächsten Tag Schule ist – Ich achte darauf, dass meine Tochter zu vernünftigen Zeiten ins Bett geht. Richtwert liegt bei 21 Uhr, manchmal geht sie freiwillig schon früher, manchmal wird es etwas später, wenn sie die eine oder andere Serie noch im Fernsehen schaut oder sie noch liest. Aber um 21:30 Uhr ist eigentlich während der Schulzeit immer Licht-Aus. Am Wochenende darf es auch mal später werden, da achte ich nicht ganz so auf die Zeit. Was ich jedoch IMMER mache, ist, dass ich sie zu Bett bringe. Sie putzt sich die Zähne, zieht ihren Pyjama an und dann gehen wir gemeinsam hoch ins Bett. Als sie klein war gab es dann noch eine Geschichte oder ein gemeinsames Lied. Jetzt unterhalten wir uns, reflektieren den vergangenen Tag und besprechen was am nächsten so ansteht. Dann gibts ein Küsschen und dann geh ich wieder. Und so läut es jeden Abend. Eine Freundin meiner Tochter hat mir kürzlich bei einem Besuch erzählt (die gleiche wie mit der Handy Geschichte), dass sie kürzlich bis 2 Uhr früh vor dem Fernseher im Wohnzimmer geschlafen hat. Sie hat sich mit den Eltern gemeinsam noch etwas angesehen und muss dabei wohl eingeschlafen sein, als sie wach geworden ist, war keiner mehr da alle haben geschlafen und sie ist dann halt auch ins Bett gegangen. Ich war schockiert als ich das gehört habe.

Verpflichtungen, für die man sich entschieden hat, müssen auch eingehalten werden – Meine Tochter ist ein sehr aktiver Mensch. Sie möchte vieles lernen und bei vielem mitmachen. Im Großen und Ganze lasse ich ihr auch die freie Wahl, was sie denn in ihrer Freizeit an zusätzlichen Verpflichtungen gerne auf sich nehmen möchte, aber ich sage auch immer zu ihr, wenn sie sich dafür entscheidend dann ganz oder eben gar nicht. Sie geht seit 3 Jahren in den Tanzunterricht, lernt seit 2 Jahren Cello (davor 3 Jahre Blockflöte), sie hat Fußball gespielt nach einem Jahr aber gemerkt, dass es nicht das Richtige für sie ist und ist stattdessen nun seit 1 1/2 Jahren bei der Jugendfeuerwehr. Vor ein paar Monaten hat sie mit Volleyball begonnen, das macht ihr sehr viel Spaß. Mit dem Cello spielt sie zusätzlich noch in einem Ensemble, die proben auch einmal pro Woche. Die Pfadfinder hätten sie auch gereizt, aber sie hat für sich selbst gemerkt, dass es zuviel werden würde, also hat sie sich dagegen entschieden. Unsere Wochen sind verplant: Am Montag ist Ensembleprobe, am Dienstag Cello und Tanzunterricht, am Donnerstag Volleyball und am Freitag geht sie zur Feuerwehr. Und sie geht hin jede Woche, außer sie ist krank! Sie hat auch öfter mal keine Lust, aber sie geht hin, weil sie genau weiß, dass ich ein fernbleiben nicht erlauben würde. Ich finde es einfach wichtig, dass Kinder schon früh lernen sich auch an diese Verpflichtungen zu halten. Sie weiß aber auch, dass ihr jederzeit offen steht zu sagen, wenn sie etwas nicht mehr will, dann meldet man sie dort einfach ab. Auch das ist leider bei vielen anderen Kindern heutzutage nicht mehr so. Bei der Feuerwehr kommen viele einfach nicht, weil sie liebe ins Kino gehen, bei Freundin sind oder einfach keine Lust haben. Musikproben werden gestrichen, weil sie lieber zur Freundin geht als in den Unterricht und das ganze ist von den Eltern genehmigt. Meine Tochter erzählte mir erst kürzlich, dass ein Mädchen in ihrer Klasse ihren Papa angerufen hat, weil sie keine Lust hatte in die Geigenstunde zu gehen sondern stattdessen lieber zu einer Freundin gehen würde. Der Papa sagte einfach so ja. Löste bei mir auch nur ein Kopfschütteln aus.

Alleine zuhause mit 11, muss noch nicht sein – Meine Tochter ist ganz selten alleine zuhause und wenn das vielleicht mal eine Stunde aber sicherlich nicht länger. Ich lasse sie nicht gerne alleine, das liegt vor allem auch an ihrer Epilepsie. Wenn etwas passiert, wenn sie alleine ist, dann ist nunmal keiner da zum Helfen. Aber auch wenn sie nicht krank wäre, würde ich sie noch nicht stundenlang alleine lassen. Eine ihrer Freundinnen ist ganz viel alleine zuhause. Ganze Samstage verbringt das Kind alleine im Haus, die meisten Nachmittage nach der Schule auch. Ich fands erschreckend als mich meine Tochter vor einer Woche gebeten hat ihr etwas mehr zu Essen in die Schule mitzugeben, weil L. hätte nie etwas dabei weil ihre Eltern in der Früh nicht mehr zuhause sind und sie müsste sich selbst etwas herrichten. Ist es wirklich so schwierig der 11jährigen bevor man selbst aus dem Haus geht noch eine Jause fertig zu machen? Ich finde das gehört einfach dazu, mit 11 muss sie das noch nicht selber machen.

Vielleicht gehöre ich zur strengen Sorte Mama, vielleicht übertreibe ich in vielen Dingen. Ich denke viel darüber nach, ob ich meine Tochter vielleicht zu vielen Regeln aussetze, andererseits weiß ich, dass sie mit 11 nunmal noch nicht erwachsen ist und vor allem soll sie es auch noch nicht sein. Das Kind-Sein verschwindet viel zu schnell, mit 11 braucht sie noch einen, vielleicht auch strengen, Wegbegleiter. Ich hoffe, dass es ihr das spätere Leben dann mal erleichtern.

Über Meinungen von anderen würde ich mich sehr freuen. 🙂

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3 Gedanken zu “„11 Jahre“ ist NICHT gleich „Erwachsen“

  1. … ich weiß nicht was ich antworten soll,
    moechte es aber dennoch gerne tun …

    Ich erkenne mich in vielen was du schreibst wieder.
    Auch ich war eine eher strenge Mutter.
    Ich dachte immer, das ist wichtig für ihr Leben und richtig …. so wie du..
    Mir tut es jetzt oft leid, dass ich so streng war.
    Meine Tochter durfte *einfach so* nicht einmal vom Kindergarten zuhause bleiben.
    Will ich dachte, dass will sie dann in der Schule auch und im Beruf und und und…..
    Ja, ich gebe zu, das tut mir leid und das habe ich meiner Tochter auch schon mitgeteilt.
    Aber eines ist schon, ich war immer eine liebevolle Mutter und ich habe meiner Tochter immer alles erklärt,
    warum ich das so oder so mache.

    Meine Tochter feiert im Juni ihren dreißigsten Geburtstag.
    Als wir vor kurzem wieder einmal über ihre Kindheit sprachen,
    sagte ich wieder, dass ich es bereue, streng gewesen zu sein.
    *Nein Mama, das ist so vollkommen in Ordnung wie du es gemacht hat.
    ich werde es mit meinem Kind einmal genau so machen* war ihre Antwort.

    Ich war zwar in der Zeit in der meine Tochter ein Kind war noch verheiratet mit ihrem Vater,
    dieser hat sich auch in Sachen Erziehung nicht beteiligt.
    So musste und durfte ich alles alleine entscheiden….!
    Segen dir und alles Gute euch Beiden.
    M.M.

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