Ich erzähle es euch, weil ich es sonst nicht kann

2 Wochen sind nun seit unserem wenig erholsamen Urlaub vergangen und seit zwei Wochen geht es mir nun gar nicht besonders gut. Meine, schon bekannten aber seit einiger Zeit nicht mehr aufgetretenen, Gesichtsschmerzen sind zurück. Dieses Mal in der anderen, rechten, Gesichtshälfte und leider in der Intensität teilweise weit über das mir bereits bekannte hinaus. 

Die ersten paar Tage ging es leicht los und wurde dann immer schlimmer. Dann kamen die Tage an denen ich im Büro mit ausreichend Ablenkung noch halbwegs klar kam aber dann zuhause nur noch Schmerzmittel halfen, damit ich überhaupt noch einen klarer Gedanken fassen konnte. Und dann kam der letzte Donnerstag an dem nichts mehr ging. Nachmittags hab ich meinen Hausarzt aufgesucht, der mir nun ein spezielles Schmerzmittel verschrieben hat und der, wie ich es eigentlich schon wusste, den Gesichtsnerv für die Schmerzen verantwortlich machte. Mit den Tabletten, die ich nun seit ein paar Tagen regelmäßig nehme geht es etwas besser, aber immer noch gibt es Zeiten an denen die Schmerzen schier unerträglich werden und ich der Verzweiflung sehr nah bin.

Und trotzdem seid ihr, die Leser hier, neben meinem Hausarzt die einzigen die davon wissen dass ich Schmerzen hab. 

Ich habe meiner Bürokollegin und lieben Freundin nichts gesagt, mehrmals lag es mir auf der Zunge und eigentlich sprechen wir über solche Dinge, aber irgend etwas hat mich immer daran gehindert. So habe ich all die Tage im Büto verbracht mit einem gespielten Lächeln im Gesicht und gespielter Fröhlichkeit. 

Ich habe meinem Mann nichts gesagt. Er ist selber nun schon seid über einer Woche wieder im Krankenstand und in ein paar Tagen hat er OP Termin. Nichts Großes aber trotzdem macht es natürlich immer Sorgen und danach steht uns noch ein cirka 4 Wochen langer Krankenstand ins Haus. 

Auch meiner Mutter hab ich nichts gesagt. Erst vor ein paar Tagen war ich bei ihr und wir haben uns lange unterhalten. Innerlich hatte ich gehofft, dass sie merkt das es mir nicht gut geht, aber sie hat im Moment auch selbst genug Probleme. Und obwohl ich mehrfach gedanklich etwas gesagt habe, habe ich es nie wirklich gemacht. 

Und so sitze ich hier nun alleine und erzähle euch davon, weil ich eigentlich schon längst jemanden davon erzählen wollte, aber mich immer irgendwas in meinem Kopf daran hindert. Was genau, das kann ich selber nicht benennen, geschweige denn verstehen. 

Ich habe manchmal so sehr die Nase voll davon immer zu funktionieren. All die Sorgen rund um unsere Tochter, all das Reden und die beruhigenden Worte für sie und zur Bewältigung ihrer Angst kommen von mir. Wenn sie in einer Angstattacke steckt braucht sie mich, so ruft sie mich an wenn ich in der Arbeit bin und ich spreche beruhigend auf sie ein, ermutige sie Spaß zu haben am Leben. Beinahe täglich erreichen mich diese Anrufe im Büro oft mehrmals und manchmal wünsche ich mir einfach nur mal einen sorglosen Tag im Büro an dem ich mich einfach nur auf die Arbeit konzentrieren kann und sonst an nichts denken muss. 

Dazu die Sorgen um meinen Mann. Ich geb Tipps was er noch machen könnte, wir suchen gemeinsam Ärzte und sprechen Möglichkeiten durch. Wir sammeln alte Befunde. Neben den gesundheitlichen Problemen gibt es auch noch Probleme in seiner Arbeit. Kollegen, die schlecht über ihn reden, die ihn in seiner Arbeit eigentlich unterstützen sollten, ihm aber stattdessen nur Steine in den Weg legen. Er kommt mit diesen Sorgen zu mir und ich versuche Lösungen mit ihm zu finden. 

Warum kann ich das nicht? Und damit meine ich nicht, dass da nicht jemand wäre dem ich meine Sorgen erzählen könnte, sondern damit meine ich, dass mich irgend etwas blockiert immer dann wenn ich es nur versuche darüber zu reden was mich beschäftigt, und das obwohl ich mir eigentlich nichts sehnlicher Wünsche als einfach nur mal alles auszukotzen und in Tränen auszubrechen. Warum aber kann ich das nicht?

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5 Gedanken zu “Ich erzähle es euch, weil ich es sonst nicht kann

  1. Oje, das hört sich nicht gut an. Bitte sprich mit jemanden. Du kannst ja nicht alles auf dich nehmen, wenn du selbst gerade jemanden brauchst und Schmerzen hast. Sei etwas egoistisch, niemand würde es dir übel nehmen.

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    • Danke dir für die lieben Worte und eigentlich weiß ich das ja selber auch und vor allem will ich es ja eigentlich auch. Endlich mal raus mit allem. Die Blockade, die in mir herrscht kann ich mir auch nicht erklären, aber neu ist es auch nicht. Ich hatte immer schon Probleme damit meine Gefühle anderen mitzuteilen.

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  2. Vielleicht ist es einfacher, mit jemandem zu reden, der Erfahrung in solchen Dingen und außerdem ein Schweigegelübde hat? Du kannst jederzeit mit einem Priester sprechen – es gibt z.B. Beicht- und Aussprachzeiten bei den Karmeliten in Linz – oder mich kontaktieren. Jedenfalls werde ich für dich beten um Kraft. LG u. Gottes Segen, P. Thomas

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    • Lieber Thomas!
      Dein/Ihr Kommentar hat mich zu Tränen berührt vor allem das persönliche Angebot.
      Ich habe erneut die Ausschreibung zum Alpha Kurs gelesen und erneut kämpfe ich mit mir selbst. Gerne würde ich daran teilnehmen aber die Scheu und Angst in einen Raum voll fremder Menschen zu treten hält mich immer davon ab. Mit mir stimmt was nicht denk ich mir sehr oft, vor allem weil ich beruflich auch viel mit Menschen zu tun habe und da funktioniert es ja auch aber privat hab ich eine riesen Blockade, vor allem wenn es dann vielleicht auch noch darum geht Gefühle preis zu geben.
      LG Ingrid

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      • Ich beginne in Asten bzw. Linz jeweils dreimal jährlich Alpha Kurse: im September / im Jänner / im April (nach Ostern). Gerne kannst du aber auch so mal auf ein persönliches Gespräch vorbeischauen. Meine Nummer bzw. Facebook findet sich leicht im Internet 🙂 Jeder hat so etwas, „was nicht stimmt“: Klar ist es nicht einfach, das einzugestehen – insbesondere vor jemandem anderem. Aber sich öffnen ist der Anfang von Heilung. Mit Gott ist alles möglich. Ich bete für dich: Alles Gute u. Gottes Segen!

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