Zehn Wörter – ein Gedicht

Nach langer Zeit wollte ich mal wieder mitmachen, bei den Zehnwortgeschichten von Westendstorie und habe mich in die aktuelle Runde gestürzt. Wer genauer wissen will, worum es geht, kann dies hier nachlesen.

Die folgenden 10 Wörter gab es dieses mal zu verpacken:
Kalender, Rückfahrkarte, Schnittlauch, Chromosomen, Schneckengift, Radkappe, Gefahr, Zärtlichkeit, Elend, Gewinn

Und eigentlich wollte ich einfach nur eine kurze Geschichte damit schreiben, nachdem ich aber ewig vor einem leeren Blatt Papier gesessen bin und mir nichts einfallen wollte, hab ich mir überlegt was ich sonst mit den 10 Wörtern machen könnte. Und da ich im zeichnen völlig unbegabt bin, musste es doch beim Schreiben bleiben, also versuchte ich es doch mal mit reimen. Daraufhin ist folgendes Gedicht entstanden. Nach den ersten 6 Zeilen hatte ich mir auch noch das persönliche Ziel gesetzt (weil ich es bei den ersten 3 Wörter automatisch so gemacht habe), mit jedem Wort genau einen Zweizeiler zu schreiben, wobei ich immer auf eines der Wörter reimen wollte.

Es wird bestimmt kein Bestseller 😉 aber es hat Spaß gemacht. Über Meinungen würde ich mich natürlich sehr freuen.

Ich suche noch meine Rückfahrkarte
bevor ich dann nun endlich starte.
In meine Tasche stopf ich noch meinen Kalender
und dann gehts los, es wartet schon irgendwo ein Fremder.
Unterwegs grüble ich noch einmal über die Gefahr
Doch schieb alles zu Seite, weil ich einfach nicht mehr will wie es war. 
Ich hab genug von all dem Elend.
Es muss sich etwas ändern und zwar grundlegend.
Ich wünsche mir doch nur ein wenig Zärtlichkeit.
Ich hätte auch nichts einzuwenden gegen ein wenig Streit.
Nur nicht mehr allein sein, wär schon ein riesen Gewinn,
denn es treibt mich inzwischen in den Wahnsinn.
Am Ziel angekommen stolpere ich beinah über eine lose Radkappe.
Während ich nervös durch den Garten tappe. 
Im Gemüsegarten erblicke ich kleine Häufchen Schneckengift.
‚Das muss weg‘ notiere ich mit meinem gedanklichen Stift.
Neben der Eingangstür finde ich etwas das aussieht wie Schnittlauch.
wild gewachsen zwischen einem mir unbekannten Strauch. 
Lächelnd denke ich, ‚hier fehlen die richtigen Chromosomen
Es wird Zeit, dass die auch endlich hier wohnen!

10 Wörter für eine Geschichte

Nachdem ich nun ein Weilchen pausiert habe, mache ich nun wieder mit bei den Zehnwortgeschichten. Runde 7 ist es inzwischen schon.

Mein Text ist dieses mal kurz und ist keine Fortsetzung meiner bisherigen Geschichten und irgendwie hab ich das Gefühl ein wenig geschummelt zu haben 😉 Aber da ich im Moment wenig Zeit habe und aber gerne mal wieder was schreiben wollte, musste ich ein wenig improvisieren – aber genau darum geht es hierbei ja.

Nun meine Geschichte, die vorgegebenen 10 Wörter, wie immer fett gedruckt:

 

Jäten, drucken, fühlen und trinken. Was haben diese Wörter gemeinsam?“

„Das sind doch alles Verben, eh ganz klar!“ sagt Annette, die sich immer besonders schlau vorkommt. Vielleicht ist sie es sogar, ich gehe ihr am liebsten aus dem Weg. Diese ständige Selbstdarstellung und Selbstverliebtheit geht mit echt gewaltig auf die Nerven.

„Ja das ist natürlich richtig Annette. Erkennt ihr sonst noch einen Zusammenhang!“

Natürlich richtig, denke ich. Ich mag unsere Trainerin ja grundsätzlich aber dieses natürlich hätte sie sich jetzt echt sparen können. Natürlich wusste die Annette mal wieder alles besser als die Anderen. Ich blicke rüber zu ihr und sie hat ein zufriedenes Lächeln auf dem Gesicht. Für mich bestätigt sich nur einmal mehr, dass ich sie nicht mag.

„Man tut bei allen Vieren etwas!“

Ohne hochblicken zu müssen, weiß ich, dass war unsere Susi. Ich nenne sie gerne Blondchen und das obwohl sie gar nicht blond ist, aber ich glaube sie hat die Gene von einer Blondine geerbt. Strohdumm die Dame.

Oskar der einzige andere Mann in der Gruppe blickt zu mir rüber und verdreht die Augen. Die Männerquote in dem Kurs hätte echt eine Aufbesserung nötig. Aber wenigsten einer ist da und er ist auch ganz ok. Seine Vampir Geschichte von vor zwei Wochen war sehr genial. Den Damen ist reihenweise schlecht dabei geworden. Ich grinse zu ihm rüber bei dem Gedanken.

Unsere Trainerin fragt inzwischen erneut verzweifelt nach, ob uns denn so gar nichts einfallen würde, was den diese Wörter, total irrsinnige Wörter, ergänze ich in meinen Gedanken, gemeinsam hätten.

„Diese Wörter haben genauso viel gemeinsam wie Fahrrad, Katzenfutter und Spendenblut. Nämlich gar nichts!“ sprudelt es plötzlich laut aus mir raus. Gleich unmittelbar danach während ich alle Blicke auf mir spüre, fällt mir Schillers Zitat ‚Der Wahn ist kurz, die Reue lang‘ ein und finde es passender denn je.

Zehn Wörter – neue Runde

Und weiter gehts mit der nächsten Runde der Zehnwortgeschichten und somit auch mit der Fortsetzung meiner kleinen Geschichte.

Wer sich übrigens schon wundert, ob die liebe Frau Officer eigentlich keinen Namen hat, kann ich nur sagen, doch in meinem Kopf hat sie einen. Es hat sich nur noch nicht ergeben, den auch einzubauen. 😉

Viel Spaß wieder beim Lesen. Rückmeldungen wie immer erwünscht. Die 10 vorgegebenen Wörter, wie immer fett gedruckt:

 

Musik? Woher kommt nur diese laute Musik? Samstagmorgen sollte das Feiern echt verboten werden. Bekommen die jungen Leute abends nicht mehr genug Bier, dass sie früh morgens gleich weitermachen müssen? Ich mache genervt die Augen auf und werfe einen Blick auf meine Digitaluhr am Nachttisch. 6:45 Uhr und plötzlich ist es wieder komplett still im Zimmer und erst jetzt realisiere ich, dass mein Handy geklingelt hat und nicht der Nachbar wilde Partys feiert.

Einen kleinen Moment denke ich drüber nach einfach die Augen wieder zuzumachen und gar nicht erst nachzusehen, wer denn angerufen hat. Doch eigentlich noch im gleichen Augenblick weiß ich, dass das keine Alternative ist und greife nach meinem Handy.

Der Blick auf das Display überrascht mich, damit hatte ich nicht gerechnet, aber es zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht und die Welt scheint gleich ein Stückchen mehr in Ordnung zu sein in aller Frühe und völlig unausgeschlafen. Es war Christian. Ich setze mich im Bett auf und versuche meine immer etwas raue Stimme am Morgen, vor allem nach wenig Schlaf, in Schwung zu bringen. Dann wähle ich seine Nummer.

Er nimmt gleich nach dem ersten Klingeln mit einem einfachen „Hi“ ab. Ich antworte ihm mit einem kurzen „Hallo“ und dann ist es für einen kleinen Moment still bevor er weiter spricht.

„Ich hoffe du warst noch nicht im Bett. Ich habe keine Ahnung wann deine Nachtschichten enden und doch wollte ich gerne heute Morgen deine Stimme hören. Tut mir leid, wenn ich dich geweckt habe!“

Ich kann und will ihn nicht anlügen auch wenn er die Wahrheit in diesem Fall wahrscheinlich nicht hören will. Trotzdem kann ich mir selbst nicht helfen, die Worte kommen einfach von ganz alleine.

„Ich habe nicht die ganze Nacht gearbeitet, bin kurz nach drei Uhr nachhause gekommen und habe daher das Handy nicht gleich als solches realisiert als du angerufen hast.“

„Kein Wunder bei nur drei Stunden Schlaf! Es tut mir sehr leid. Ich lass dich nun wieder in Ruhe und du schläfst einfach weiter. Sorry ich fühl mich grad echt wie ein Vollidiot!“

„Christian! Es ist ok. In fünfzehn Minuten hätte sowieso mein Wecker schon wieder geklingelt und es ist wunderschön von dir zu hören. Der Beste Wecker überhaupt!“

„Der Dalai Lama hat gesagt, der Weg zum Glück ist guter Schlaf und gutes Essen. Das mit dem guten Schlaf habe ich ja erfolgreich verhindert, darf ich dies mit einem guten Essen wieder gut machen? Heute Abend?“

Ich überlege kurz. Wie gerne würde ich sofort ja sagen, aber wenn ich an die Arbeit, an den Fall denke, weiß ich nicht wie sich der Abend gestalten lässt. Andererseits müsste, nach einer beinah durchgearbeiteten freien Freitagnacht, nach nur 3 Stunden Schlaf und einem vermutlich kommenden anstrengenden Samstag, jeder verstehen, dass man auch mal eine Pause braucht.

„Bist du noch dran? Habe ich etwas Falsches gesagt?“ höre ich ihn plötzlich nervös am Telefon sagen.

„Ja ich bin noch da hab nur gerade meine Alternativen für heute Abend durchgedacht und würde dich sehr gerne wieder treffen.“

Ich kann sein Lächeln beinahe durch das Telefon fühlen.

„Es gibt ein neues Restaurant in der Stadt. Neues Konzept. Gekocht wird direkt am Tisch des Gastes, man kann entweder nur zusehen oder, was ich viel interessanter finde, beim Kochen mitmachen. Ich würde dies gerne mit dir ausprobieren.“

„Klingt spannend. Ich kann noch nicht versprechen, wann es sich bei mir ausgeht. Ich melde mich noch wann ich Zeit für dich habe, ok?“

„Klingt toll. Ich schicke dir noch die Adresse und freue mich dich wieder zu sehen.“

Nur ganz leise hat er die letzten Worte gesagt und ich antworte ihm mit einem leisen „Ich freue mich auch!“. Die Stille die danach folgt wird vom lauten Klingeln meines Weckers unterbrochen und wir müssen erstmal beide Lachen bevor wir uns verabschieden.

Ich stehe unmittelbar nach dem Gespräch auf. Es ist kalt in der Wohnung. Ich blicke aus dem Fenster und die Stadt liegt düster und grau vor mir. Der heurige Spätsommer fühlt sich mehr wie ein früher Winter an, denke ich mir, als ich, noch immer mit einem Lächeln auf dem Gesicht, in die Küche gehe, um mir eine Tasse Kaffee zu machen.

Zehn Wörter – nächste Runde

Wie im letzten Versuch angekündigt, habe ich mich mit den neuen Wörtern an der Fortsetzung der Geschichte versucht, was gar nicht einfach war, obwohl ich spontan eigentlich gedacht habe, dass die Wörter so schlimm gar nicht sind. Beim Schreiben selbst hab ich mir dann doch recht schwer getan. Im Blog gibt es im Übrigen für die Zehnwortgeschichten nun eine eigene Kategorie, damit diese leichter gefunden werden. Und den Link zur Einladung möchte ich natürlich auch wieder mit dazu hängen.

Letztlich hab ich dann doch was „fabriziert“ aber ob ich es auch mag, da bin ich etwas unsicher. Aber da es inzwischen weit nach Mitternacht ist und mein Kopf nicht mehr richtig funktioniert werde ich morgen nochmal lesen und dann erst für mich entscheiden. Wie ihr Leser die Geschichte findet würde ich natürlich gerne in einem Kommentar erfahren 😉

Nun aber zu meiner Geschichte: (die vorgegebenen Wörter sind fett gedruckt)

Ich stehe im Hotelzimmer und starre auf das Bett. Über eine Stunde bin ich nun schon hier, die Leiche der Frau wurde inzwischen weggebracht. Michael und ich haben zusammen mit der Spurensicherung verzweifelt versucht irgendetwas Brauchbares zu finden, jedoch blieb der Erfolg leider aus.

Ich starre also auf das blutverschmierte Bett als Michael plötzlich neben mir auftaucht und mir seine Hand auf die Schulter legt.

„Bist du ok? Du hattest dir deinen Abend heute wohl auch anders vorgestellt.“

Er betrachtet mich von oben nach unten und erst jetzt wird mir bewusst, dass ich natürlich immer noch mein Kleid trage, immerhin bin ich direkt von meinem, eigentlich freien, Abend hier her gekommen. Unter normalen Umstände würde Michael mich deshalb necken, mich wahrscheinlich Fragen mit welchem Typen aus dem Ostblock ich mich in irgendeinem ominösen Biergarten getroffen hätte. Das wäre normalerweise seine Art gewesen, aber nicht heute, nicht unter diesen Umständen.

Er blickt mich immer noch an. Ich sehe ehrliche Besorgnis in seinen Augen. Ich zaubere ein Lächeln auf mein Gesicht und nicke.

„Ich hatte einen besseren Abend bis zu deinem Anruf. Und ja ich bin in Ordnung, ich möchte nur endlich diesen Kerl erwischen. 3 Frauen haben unsere Stadt für eine Nacht besucht und wurden alle drei vergewaltigt und getötet. Und wir haben nichts.“

Er nickt. Ich weiß er ist genauso wütend wie ich. Er sagt nichts Weiteres sondern hält mir eine Geldbörse hin. Ich nehme ihm die Geldbörse aus der Hand und öffne sie. Das erste worauf mein Blick fällt ist ein Foto. Das Opfer ist zusammen mit einem Mann neben einer Buddha Statue zu sehen. Ich seufze und schließe kurz meine Augen.

„Möchtest du, dass ich es dieses Mal übernehme?“ höre ich Michael von der Seite sagen. So gerne ich ja sagen würde, weiß ich gleichzeitig auch, dass ich es selber machen muss. Seit ich vor drei Jahren einen Anruf von einem Dorfpolizisten bekam, der mir mehr als herzlos am Telefon mitteilte, dass er gerade meinen Vater am Acker hinter dem Haus tot aufgefunden hätte, hatte ich es mir zum Auftrag gemacht, dass ich schlechte Nachrichten, vor allem am Telefon, nur noch selbst und vor allem in einer mir maximal möglichen schonenden Art und Weise, überbringen würde. Ich schüttle also den Kopf und Michael reicht mir dann noch einen kleinen Zettel mit einer Telefonnummer. Ich nehme die Geldbörse und den Zettel und verlasse das Hotelzimmer. Ich brauche definitiv einen ruhigeren Ort, um dieses Telefonat zu führen.

20 Minuten später erhebe ich mich von der Kunstledercouch im Büro des Hotelmanagers in welches ich mich für das Telefonat zurückziehen durfte und mache mich wieder auf den Weg zu Michael. Im Fahrstuhl treffe ich auf einen etwas älteren Mann, der sich am Handy lautstark über die Vetternwirtschaft in der heutigen Zeit beklagt, sich dabei ständig seine Finger leckt und versucht seine abstehenden Haare wieder in Form zu bringen und dabei wild mit seinem Schirm, den er ebenfalls in der Hand hält, herumhantierte. Ich bin froh im fünften Stock aus den Fahrstuhl steigen zu können. Michael erwartet mich bereits am Gang mit einem besorgten und fragenden Blick.

„Sehr schlimm?“

Ich atme kurz tief ein bevor ich anfange von dem Telefonat zu berichten.

„Der Mann auf dem Bild ist nicht ihr Ehemann, wie ich zuerst vermutet hatte, sondern ihr Bruder. Er ist die einzige Familie, die sie hatte. Die Eltern sind bereits verstorben und sie ist nicht verheiratet und soweit der Bruder weiß hatte sie auch keinen Freund, wobei dies scheinbar oft mal ein wenig, ich zitiere, diffus war bei ihr. Sie war wohl recht schnell im Freundschaften schließen. Er wird sich so schnell als möglich auf den Weg machen und sich wieder melden, sobald er in der Stadt ist, um ein Treffen zu vereinbaren. Er wirkte am Telefon als hätte er unmittelbar nach der schlimmen Nachricht auf ‚Funktionieren‘ umgestellt ohne wirklich zu realisieren.“

Michael nickte, er kennt diesen Zustand bei Hinterbliebenen. Kein momentaner Schockzustand, plötzlich rationelles Denken, klare Antworten auf alle Fragen. Dieser Zustand war jedoch nie von Dauer, früher oder später kam bei allen der Moment des Realisierens.

Unser nächster Schritt war es die Hotelzimmernachbarn zu befragen. Leider brachte uns dies überhaupt nicht weiter. Einige Zimmer standen leer, in einigen war niemand Anwesend und wenn jemand da war, dann wussten diese natürlich gar nichts. Wir haben alle Personalien und Daten aufgenommen und werden diese mit den ersten Fällen vergleichen, um eventuell irgendetwas zu entdecken, obwohl uns eigentlich klar ist, dass der Mörder nicht so dumm sein würde, im gleichen Hotel wie die Opfer einzuchecken.

Es war schon weit nach Mitternacht als Michael und ich endlich das Hotel verlassen und uns auf den Heimweg machen, um ein paar Stunden Schlaf zu bekommen. Zuhause angekommen werfe ich meine Jacke über das alte, nicht mehr verwendete, Ofenrohr im Wohnzimmer und mache mich auf den Weg in die Dusche.

Es war fast drei Uhr morgens als ich endlich im Bett war. Wie gerne würde ich jetzt Christian noch anrufen und mich für den verpatzten Abend erneut entschuldigen. Ich verwarf jedoch den Gedanken gleich wieder und nahm mir vor, das Telefonat auf den Morgen zu verschieben. Mit den schönen Erinnerungen an ein echt tolles Date schlafe ich letztlich ein.

Neue Wörter – neue Geschichte

Es wurde wieder eingeladen zur Zehnwortgeschichte.

Die Wörter fand ich dieses Mal schwerer als beim letzten Mal. Brauchte erstmal einen Moment (und Google – ich gebs zu) um mir etwas zurecht zu basteln. Nachdem ich beim ersten Versuch irgendwie eine Polizistin erschaffen hatte, wollte ich dies gerne wieder aufgreifen. Und nachdem der Text nun geschrieben ist, habe ich mir auch eine persönliche neue Herausforderung zurechtgelegt und ich möchte die Geschichte mit den nächsten 10 Wörtern dann weiterschreiben. Mal schaun, wie weit ich dabei komme.

Die Zeitangabe habe ich diese Mal noch weniger eingehalten als bei meinem ersten Versuch. Ich denke ich habe knapp 2 Stunden gebraucht. Rückmeldungen aller Art sind sehr willkommen. (Sehr lang geworden!)

 

Ich sitze nervös im Restaurant. Italienisch, er hatte es ausgesucht. Das Beste in der Stadt meinte er. Besser italienisch hätte er außerhalb von Italien bisher nur in Wien gegessen. Wie nannte er es noch genau, eine unvergessliche Oralfreude. Ich musste lachen als er mir das Restaurant damit schmackhaft machen wollte. Ich blicke erneut auf die Uhr und frage mich warum ich bloß 20 Minuten zu früh da sein musste. Ich habe das Gefühl alle starren mich an und denken sich, ach die arme Frau sitzt ganz alleine im Restaurant, wurde wohl versetzt. Nachdem mich der Kellner erneut angesprochen hat bestelle ich dann doch ein Glas Wasser, damit ich wenigstens irgendwas hatte woran ich mich festhalten konnte.

Ich bin nervös, weiß gar nicht wann ich das letzte Mal so nervös war. Meine Arbeit hat dies anfangs auch noch geschafft, aber man wird ruhiger mit der Zeit, obwohl ein bisschen Nervosität und Angst immer dazu gehört, so bleibt man wachsam. Aber dieses Date macht mich definitiv nervöser als sonst etwas. Bisher hatten wir nur telefoniert und ab und an mal eine Mail geschrieben, persönlich treffen ist dann doch gleich nochmal ein Schritt vorwärts. Wir haben bereits Fotos ausgetauscht, daher gilt Blind-Date hier nicht mehr, aber gerade bei den Fotos sucht man wahrscheinlich das Beste das man finden kann. Wie sehr dies dann der Wahrheit entspricht ist eine ganz andere Geschichte.

Ich blicke erneut nervös auf die Uhr während ich an meinem Wasserglas nippe. Noch fünf Minuten, meine Nervosität steigt nochmal an. Ich dachte nicht, dass das möglich sei. Ich blicke mich im Restaurant um und entdecke den Kellner, der mich bedient hat. Er grinst mich an. Warum grinst der mich so an, denke ich mir, als ich ihn plötzlich sehe. Der Kellner zeigt in meine Richtung. Er lächelt, hebt die Hand zum Gruß und macht sich auf den Weg zu mir. Definitiv besser als das Foto denke ich mir als ich aufstehe, um ihn zu begrüßen.

Wir schütteln uns die Hand, doch er kommt näher und küsst mich auf die rechte dann auf die linke Wange. Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Wahrscheinlich habe ich mich auch genauso dabei angestellt. Als wir uns wieder hinsetzen lächelt er mich nur an und sagt „Wir sind für heute in Italien, da macht man das so.“ Ich lächle zurück.

Er bestellt eine Flasche Wein für uns und der Kellner bringt gleichzeitig mit dem Wein die Speisekarte. Ich kenne mich mit italienischer Küche nicht aus, außer Pizza und Spaghetti natürlich, aber ich denke das wäre hier und heute unpassend. Ich blättere also in der Speisekarte und entscheide mich letztlich für ein Risotto alla milanese während er sich Osso Bucco bestellt. Bei Risotto weiß ich wenigstens, dass es sich um Reis handelt, was er sich bestellt hat bleibt mir jedoch rätselhaft, möchte mir aber die Blöße auch nicht geben und ihn danach fragen. Ich werde es dann ja schon sehen denke ich mir.

Nach dem Essen entschuldigt er sich kurz auf die Toilette. Ich lächle, eigentlich ist das doch ein Frauending, um das Makeup nach dem Essen zu checken. Nachdem er den Tisch verlassen hat atme ich tief durch, und versuche mir erneut in Erinnerung zu rufen, dass ich nicht träume sondern diesen tollen Abend wirklich erlebe.

Plötzlich höre ich mein Handy in meiner Tasche vibrieren. Ich hatte es lautlos gestellt, es ganz abzuschalten hatte ich nicht geschafft. Ich überlege kurz und denke mir dann aber, da mein Date ja grad nicht da ist, kann ich ja zumindest mal nachsehen wer es denn ist. Als ich auf Display blicke wusste ich, dass ich einen Fehler gemacht hatte. Einen kleinen Moment spiele ich mit dem Gedanken nicht zu antworten, weiß aber im selben Augenblick, dass ich meine innere Ruhe den ganzen Abend nicht mehr finden würde, wenn ich dies mache.

Ich drücke also die ‚Antworten-Taste‘ und verzichte auf das höfliche Hallo.

„Ich hoffe es ist wichtig sonst bezahlst du einen Monat lang meinen Kaffee.“

Ich höre meinem Partner am anderen Ende der Leitung zu und bemerke nicht, wie mein Date wieder an den Tisch zurückkommt.

„Ich bin am anderen Ende der Stadt, treffen wir uns gleich direkt vor Ort. Ich kann in 15 Minuten dort sein. Bye!“

Ich nehme das Telefon runter und merke erst jetzt, dass meine Begleitung bereits zurückgekehrt ist. Ich lächle nervös, er sieht mich besorgt an.

„Ist alles in Ordnung?“ fragt er mich

Ich überlege kurz, was ich ihm sagen soll oder besser noch, was ich ihm überhaupt sagen kann. Er weiß, dass ich Polizistin bin, aber ansonsten haben wir über meinen Job noch nicht viel gesprochen. Wie auch, ich kann ihm doch beim Kennenlernen nicht von den Schattenseiten der Stadt erzählen.

Ich spüre eine Hand auf meiner und kehre zurück in die Realität. Ich versuche zu lächeln. Ich vermute es gelingt mir nicht wirklich, zumindest sieht er mich immer noch besorgt an.

So ein Reinfall schwirrt durch meinen Kopf. Ich ziehe meine Hand sanft zurück und nehme meine Tasche.

„Es tut mir sehr leid. Das war mein Partner am Telefon. Unsere Dienststelle ist unterbesetzt heute Nacht und ich muss daher leider dringend zur Arbeit.“

Das muss reichen, mehr kann ich nicht sagen. Hoffentlich fragt er mich nicht, ob oder gar was denn passiert ist. Ich möchte ihn nicht bei unserem ersten Date belügen müssen. Unser Kellner geht gerade an unserem Tisch vorbei und ich nutze die Chance, um ihm ein leises „Zahlen, bitte!“ zuzurufen. Ich kann ihn doch nicht bezahlen lassen, wenn ich ihm schon davonlaufe, denke ich mir dabei noch. Dann krame ich in meiner Tasche nach meiner Geldbörse während ich immer noch auf seine Reaktion warte. Als ich meine Geldbörse gefunden habe lege ich sie langsam auf den Tisch. Ich muss ihn nun wieder ansehen, kann ihn nicht länger ignorieren. Gesagt hat er leider immer noch nichts.

Ich hebe den Kopf und blicke in ein trauriges Gesicht. „Es tut mir sehr leid“, sage ich erneut. Und bevor ich wirklich nachgedacht habe, sage ich als nächstes „Ich mache das beim nächsten Mal wieder gut, versprochen!“ Beim nächsten Mal, hatte sie das gerade wirklich gesagt. Wahrscheinlich will er gar kein nächstes Mal nach diesem Abend.

Dieses Mal unterbricht uns der Kellner mit der Rechnung. „Alles zusammen?“ fragt er als er an den Tisch tritt. Bevor ich etwas sagen konnte, höre ich von ihm ein freundliches „Selbstverständlich“ Er bezahlt also die komplette Rechnung und gibt auch noch saftiges Trinkgeld. Ich blicke auf die Uhr und werde langsam nervös. 15 Minuten hatte ich versprochen, aber die Tatsache, dass er nun auch noch alles bezahlt hat, macht das Aufstehen und Gehen jetzt nicht gerade einfacher. Doch er überrascht mich erneut, als er aufsteht und mir seine Hand reicht.

„Komm ich bring dich noch zum Auto.“

Er stellt keine Fragen. Wie perfekt können ein Date und ein Mann sein, bevor es zu perfekt wird. Ich parke direkt am Hinterausgang des Restaurants, daher haben wir auch nicht mehr viel Zeit zu reden, während er mich begleitet. Ich krame in meiner Tasche nach meinem Schlüssel. Er öffnet mir die Tür, wie der perfekte Gentleman. Bevor ich einsteige, drehe ich mich nochmal zu ihn um. Wir verabschieden uns italienisch mit einem Küsschen auf jede Wange.

„Ruf mich an“ sagt er noch als ich in den Wagen steige. Ich lächle ihn an, dieses Mal ist es ein einfaches und ehrliches Lächeln und dann mache ich mich auf den Weg zum Tatort.

Als ich am Hotel ankomme, erwartet mich Michael, mein Partner, schon in der Eingangshalle. Neben ihm steht ein dünner groß gewachsener junger Mann. Er stellt sich mir als ‚Herr Rittberger‘ vor, nachdem ich ihm meine Marke gezeigt habe. Er ist blass und wirkt sehr nervös und nachdem er uns in ein kleines Büro hinter den Empfangsbereich führt, beginnt er zu erzählen.

„In Zimmer 515 hat heute Morgen eine Frau Falling eingecheckt. Sie erzählte freudig an der Rezeption, dass sie extra angereist sei um das Laurie Anderson Konzert heute Abend zu besuchen. Sie hatte mich gebeten, sie pünktlich um 18:30 Uhr anzurufen. Sie hatte wohl Angst zu verschlafen und das Konzert zu verpassen. Ich habe also angerufen, aber es hat keiner geantwortet. Ich dachte mir, dass sie vielleicht im Bad sei. 15 Minuten später habe ich es erneut versucht, aber es hat wieder keiner geantwortet. Ich bin dann also nach oben gegangen, ich wollte nicht daran schuld sein, dass sie ihr Konzert verpasst und habe an die Türe geklopft. Als ich wieder kein Glück hatte, bin ich mit meinem Schlüssel ins Zimmer gegangen und.“

Er war noch blasser geworden und konnte nicht weiter sprechen. Er würgte und schüttelte den Kopf als könne er dadurch die Erinnerungen loswerden. Es muss wohl kein schöner Anblick gewesen sein, denke ich mir.

Wir verabschiedeten uns vorerst von Herrn Rittberger teilten ihm jedoch auch gleich mit, dass wir noch einmal genauer mit ihm sprechen müssten. Danach war es Zeit sich den Tatort selbst genauer anzusehen.

Auf dem Weg in den fünften Stock erklärt mir Michael nur kurz, dass die Spurensicherung und der Gerichtsmediziner bereits vor Ort seien. Ansonsten wurde nichts weiter gesprochen.

Als wir Zimmer 515 betreten stockt auch mir kurz der Atem. Der Anblick, der einem dort geboten wird ist wahrlich kein schöner. Eine junge Frau, Anfang bis Mitte 30, lag dort nackt und mit Händen und Füßen ans Bett gefesselt. Michael und ich traten näher. Eine blutverkrustete Lippe und ein Rinnsal an getrocknetem Blut von der rechten Augenbraue bis zum Hals zeigten, dass sie wohl mehrfach geschlagen wurde. Sie hatte Schaum vorm Mund.

„Wurde Sie vergiftet?“ frage ich eigentlich mehr zu mir selbst als zu allen anderen. Der Gerichtsmediziner blickt hoch und antwortet kurz und sachlich.

„Sie wurde definitiv brutal vergewaltigt und geschlagen. Ob sie vergiftet wurde werden wir erst später wissen.“

Ich nicke ihm kurz zu und blicke mich dann weiter im Zimmer um und entdecke dabei etwas eingeklemmt zwischen Matratze und Bettrahmen. Ich streife mir einen Handschuh über und ziehe einen kleinen etwas eigenartig aussehenden Pinsel hervor.

„Was ist das?“ frage ich als ich mich zu den anderen umdrehe.

Der Gerichtsmediziner steht auf uns sieht sich den Pinsel näher an.

„Das ist ein Bauchpinsel! Wird zur Massage und Sinneserweckung eingesetzt. Sehr entspannend!“

Ein Lächeln huscht über sein Gesicht. Ich sehe mir den Pinsel genauer an und blicke dann erneut zur Leiche.

„Ich denke hier war es alles andere als sehr entspannend!“

Das Lächeln verschwindet unmittelbar aus dem Gesicht des Gerichtsmediziners. Ich packe den Pinsel in eine Tüte und drehe mich zu Michael.

„Was denkst du?“

„Ich denke, dass wir von nun an wohl ein paar Schichten zusätzlich arbeiten werden.“

Zehn-Wort-Geschichte

Ich stehe gedankenverloren in meiner Küche. In meinem Wok am Herd schiebe ich, ohne wirklich darauf zu achten, das Gemüse hin und her. Mein Blick ist auf die gegenüberliegende Wand im Esszimmer gerichtet und ich denke mir, ich sollte nun endlich wirklich die abgefallene Tapetenabschlusskante ersetzen. Ich lege den Kochlöffel zur Seite und greife nach meiner Kaffeetasse. „Boah kalt“ schüttelt es mich und ich schütte daraufhin den Kaffee in die Spüle und wasche die Tasse aus.

Ich summe leise zur Musik aus dem Radio. Die Ramones mochte ich immer schon gerne. Plötzlich klingelt das Telefon. Ohne zu wissen warum schrecke ich kurz hoch und lege dann das Geschirrtuch zur Seite, womit ich eigentlich meine Lieblingstasse trocknen wollte. Ich greife nach dem Telefon und melde mich mit einem kurzen „Hallo!“.

Ich höre dem Anrufer zu und kann mir einen Seufzer nicht verbergen. „Ich kann in 10 Minuten dort sein“, sage ich meinem Anrufer. Wie sehr ich Bereitschaft doch hasse, denke ich mir während ich das Telefonat beende.

Ich eile daraufhin in die Küche und schaue verzweifelt in mein halb fertiges Wok-Gemüse während ich den Herd abstelle. Auf dem Weg zur Türe stolpere ich beinahe über den vollen Wäschekorb und frage mich, wann ich denn endlich mal wieder Zeit zum Bügeln haben würde. Ich greife nach meinem Schlüsselbund mit dem riesen Eichhörnchen als Anhänger, welches mir meine Kollegen zu Weihnachten geschenkt haben, damit ich in Zukunft meinen Schlüssel einfacher finden kann.

Ich öffne den Kasten an der Wand, greife nach einer kleinen mit Zebrafell überzogenen Box, öffne sie und nehme meine Waffe heraus. Danach verlasse ich die Wohnung und mache mich mit meinem Wagen auf dem Weg, um meinen Partner am Supermarkt zu treffen. Jener Supermarkt wo ich erst wenige Stunden zuvor noch mein Gemüse für mein Abendessen gekauft hatte.

„Stiller Alarm am Supermarkt, wir treffen und dort“ war alles was mein Partner am Telefon gesagt hat. Als ich mich nun dem Supermarkt nähere sehe ich ihn schon etwas abseits stehen. Ich parke meinen Wagen, steige aus und wir nicken uns einfach nur zu und machen uns auf den Weg zum Eingang des Supermarktes. Nach jahrelanger Zusammenarbeit verstehen wir uns blind. Die Supermarkttür ist unverschlossen. Wer immer sich darin nun aufhält hat durch das Aufbrechen der Tür den stillen Alarm ausgelöst.

Wir ziehen beide unsere Waffe und treten ein. Langsam streifen wir durch den Supermarkt, blicken in jeden der langen Gänge. Wir passieren das Schokoladenregal, was mich wieder daran denken lässt, dass ich noch kein Abendessen hatte. Im nächsten Gang steht ein herrenloser Einkaufswagen, darin nur ein Paar Gummistiefel. Da hat es sich wohl jemand anders überlegt, denke ich mir.

Plötzlich hören wir ein lautes Geräusch. Mein Partner und ich blicken uns kurz an und dann geht es im Laufschritt in Richtung des Geräusches. Wir hören jemanden leise fluchen. Wir nicken uns kurz zu und treten dann mit ausgestreckten Waffen in den nächsten Gang.

„Stehen bleiben, Polizei!“ ruft mein Partner laut. Im Gang steht ein Mann mit einem voll beladenen Einkaufswagen. Eine der vielen Alkoholflaschen liegt zerschmettert am Boden. Es dauerte keine 2 Minuten bis der Mann in Handschellen am Rücksitz eines Polizeiautos von weiteren Kollegen sitzt, die ebenfalls zur Hilfe gerufen wurden.

Ich denke erneut an mein Abendessen und seufze leise, weil ich weiß, dass es noch etwas dauern wird, bis ich endlich dazu kommen werde.

Westendstories lädt ein zur Zehnwortgeschichte. Ich habe mich daran auch mal versucht 😉
Danke stefanini für deine Geschichte und dass ich dadurch diese Aktion auch finden konnte 🙂